Busfahrer haben mitunter etwas mystisches an sich. Sie wirken dabei meist erhaben und unanfechtbar. Wie eine Laune der Natur. Kräftige Arme, mitunter gut behaart - ein Kopfnicken das sich stets nur schwerlich deuten lässt. Wortkarg und etwas träge federn ihre Körper auf technisch ausgefeilten Fahrersitzen. An Endhaltestellen wird viel pausiert und noch viel stärker geraucht. Nur keine Milde! Prüfend gleitet der Blick am Korpus des Kraftfahrzeuges entlang. Hemdsärmel werden wie selbstverständlich immer nach oben gekrempelt. Man wage es nicht mit großen Scheinen bezahlen zu wollen! Auch das bloße Ansprechen von Busfahrern könnte durchaus mit größeren Gefahren für Leib und Seele einhergehen. Aber das muss wohl genau so sein! Die Piloten des Asphalt tragen schließlich die Verantwortung. Rau ist der Weg zum Ziel. Bitter wie sauer schmeckt der Kaffee - die Gesellschaft hält den Mund und benimmt sich gefälligst. Es kommt auf Feinheiten an. Alle und alles der Reihe nach. Dem Transport gänzlich ausgeliefert, abhängig von der Dichte des Verkehrs und dem Geschick des düsteren Mannes am Lenkrad - einem riesenhaftem Steuer wie sonst bloß auf Schiffen ... sehnt sich der Fahrgast dem Ausstieg entgegen und grüßt brav beim Gehen. Am Haltepunkt stehen die Hoffenden in demütiger Reihe - so sollte es zumindest sein. Busfahrer leben ihren Beruf wie eine Bürde - Humor kommt schlicht zu kurz. Raunende PS legen sich in viel zu enge Kurven - es ist still im Saal der hundert Sitze.
Herr Hoffmann macht das jetzt schon seit fünfunddreißig Jahren und kennt die Strecke wie einen steten, immer wiederkehrenden Traum. Er ist zu allen Mitfahrern sehr lieb und ausgesprochen höflich. Die bräunliche Haut seines Gesichtes ist gegerbt wie bei einem Seemann und lässt ein mildes Erscheinungsbild zu. Hin und wieder bekommt er sogar kleine Präsente überreicht: Hausmacher-Knackwürste, Schnapspralinen, Zigaretten oder Kunstblumen für sein Cockpit. In den Dörfern seiner Route öffnet man ihm im Notfall sogar die Haustür für ein spontanes unaufhaltsames Scheißerchen. Freundlichkeit zählt sich eben auch aus. Dafür hält Herr Hoffmann auch mal spontan zwischendurch, hilft alten Omis beim Einstieg oder winkt eine arme Seele von Mensch einfach kostenlos durch. So ist er nun mal. Eines bösen Tages war er dann nicht mehr da. An seiner Stelle raste nun die bärtige Kompromisslosigkeit persönlichen Fahrrekorden hinterher und ließ auf seiner Jagd nach Bestzeiten auch schon mal Wartende einfach stehen. Es wehte plötzlich ein ganz anderer Wind.
