Mensch sein, menschlich sein ... etwas von sich abgeben oder sogar zugeben. Die eigene Schuld, das eigene Versäumnis ... die Relationen nicht aus den Augen verlieren, das innere Kind immer mal wieder zu Wort kommen lassen. Freundlich grüßen, lächeln und eine einladende Grundhaltung einnehmen. Morgens in den Spiegel sehen und die Gesichtszüge trainieren, Lockerheit fördern, mit den Augen blinzeln ... die Zunge so weit wie möglich heraus strecken. Bis zum ersten Schmerz.
Den großen Bottich mit dem milden Kaffee stelle ich behutsam ab. Durch die staubige Fensterscheibe hindurch fällt mein aufmerksamer Blick auf das bemooste Dach gegenüber. Ein kräftiger Eichelhäher macht sich pickend daran zu schaffen. Im Frieden, in der morgendlichen Ruhe und mit einem gedeckten Konto scheint mir das Leben eine einzige Streicheleinheit. Warum nur ist das nicht jedem Menschen vergönnt? Gedanken blättern hin und her ... Fragezeichen krümmen ihren rundlichen Buckel bis zur Unkenntlichkeit.
Ein übrig gebliebener Lavendel-Halm streckt sich zur Sonne hin, das tiefgrüne Schnittlauch im Kräutergarten duftet mächtig vor sich hin, kräftig gewachsener Rosmarin steht andächtig still wie ein feiner Nadelwald in der Flaute. Der kleine Frieden mischt sich unter die emsigen Ameisen, leuchtende Feuerkäfer und schleimigen Nacktschnecken. Auf einem alten Felsstein trocknet die Marder-Kacke aus der unterkühlten Nacht. Alles ergibt sich aus sich selbst heraus. Bis das Glas gefüllt ist.

