Lautlos tritt der schwere Schatten aus dem Hintergrund in das Unberührte ... frech, dreist und alles mit Dunkelheit belegend. So könnte man das Schicksal beschreiben - Peter schien sich zumindest daraus einen Reim machen zu können. Der September fühlte sich schmerzhaft lang an, so als habe er fünfzig Tage. Das Girokonto war wie von einer Formation Schneeschieber geräumt worden und die blauen Säcke mit den hunderten Pfandflaschen erschienen wie ein Tag Arbeit unter Mindestlohn. Draußen plärrten Kinder ihr „Digga“ an hallenden Häuserfronten entlang - Peter begann sich zu hassen. Hinter dem Kühlschrank roch es faulig süß - von einer seit Tagen gammelnden Maus. Die hing kopfüber in einer Falle und war unter den letzten Zuckungen ins Unerreichbare ausgewichen. Der Kammerjäger wies auf eine Zwischendecke hin und empfahl geduldiges Ausharren. Fast reißend, zerrte Peter die ausgeblichenen Vorhänge zu und ließ sich im Halbdunkel seiner notdürftig aufgeräumten Kammer nieder. Über ihm gondelte die 25 Watt Glühbirne - an der hatte er sich Sekunden vorher ganz leicht gestoßen. Peter brummte nur das Wort „schwul“. Das machte er bei Missgeschicken immer so ... wie ein irrsinniger Tick ... warum auch immer.
Tja. Trat nun also der Schatten lautlos in den Vordergrund seines etwas improvisierten Lebens. Er konnte seit mehreren Tagen nicht mehr sein Geschäft verrichten - wie vernagelt oder zugenäht war das Organ und Peter hatte die Diagnose frisch, frei und unverblümt in einem ausgezeichnet ausgeleuchteten Arztzimmer präsentiert bekommen. Seine Innereien waren wie mit Zement ausgegossen und die gute alte Bauchdecke fühlte sich wie ein Schiefergebirge an. Er hockte wie ein Kleinkind auf dem Klosett und wimmerte leise in sich hinein ...
Der Tag übergoss die Momente mit grellstem Licht ... flutete jeden klammen Winkel und versuchte, so gut er konnte, allem einen Anschein zu geben. Peter legte sich eine Videokassette in den abgenutzten Recorder und beobachtete einen alten Italo-Western beim Versuch unterhaltend zu sein. Er spürte aber in jeder sich bietenden Handlung nur noch schale Wehmut. Könnte nicht der Revolverheld einfach seinen Silberling aus dem Bildschirm heraus auf ihn richten und den Abzug krümmen? Das wäre ein verdammt cooler Abgang! Mit dieser fast schon tröstlichen Vision schlummerte unser Freund friedlich ein und sprang dabei über alle seine Schatten.

