Es ist nie zu spät - für Nervosität.
Wenn etwas geht - dann Nervosität.
Der rabenschwarze Kaffee ergießt sich, dem fallenden Wasser gleich, in einen sperrangelweit aufgerissenem Mund. Das große Zittern ist im Begriff den Körper zu rütteln. Glühend bahnt sich das tiefe Schwarz durch den gierigen Leib und verfängt sich mit seinem hoch erhitzten Koffein in den Verzweigungen von Peters Blutbahn. Peter wird unruhig, zappelt und bekommt einen kirren Blick. Während mehrerer Dekaden mächtigen Geredes, verspricht sich der Gute immer und immer wieder. Vor allem aber tauscht er wahllos zusammengesetzte Substantive ... aus Liebeskummer wird Kummerliebe, Friseursalon ist plötzlich der Salonfriseur und Bierdurst verwandelt sich zu einem Durstbier. Auf dem alten Stuhl kippelnd, an den Fingerkuppen knaupelnd, ständig durch die Haare fahrend und immer wieder nach plötzlich vergessenen Wörtern suchend - gelingt dem Peter schließlich nur noch ein rasend schneller Herzschlag. Das pulsierende Organ unter seiner Brust versucht sich an Interventionen, reagiert längst nicht mehr gelassen und pumpt wie unter Hochdruck das rötliche Lebensgewässer in alle möglichen Richtungen.
Dem Peter lief schon als kleines Kind die ganze Nässe im Mund zusammen, wenn in der geräumigen Küche der stets verehrten Großmutter die Nebelschwaden von frisch gebrühtem Mokka hingen. Bereits mit zwei kleinen Jahren durfte er an den winzigen Tässchen nippen und keine paar Monate später auch bauchige Pötte in sich hinein schütten. Danach sprang und rannte das Peterchen wie von der Tarantel gestochen durch das uralte Haus, prallte mal hie und da gegen dunkle Kommoden und Biedermeier-Sofas, ließ böhmische Gläser fallen oder stieß sich den verwirrten Kopf. So ging das Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr um Jahr. Heute belegen gelbe Schatten die restlichen Zähne - und die Zunge des Bohnen-Junkies gleicht einem rissigen Lappen. Eine Hausärztin nach der anderen sprach Gebote und Verbote aus - allein der gute Peter hängt am Arabica-Stöffchen und kann einfach nicht von lassen. Dabei gedenkt er andächtig seiner über alles geliebten Großmutter und schenkt gern nochmal unter Zuckungen nach. Seine Schläfen werden zu winzigen Kabeln mit Strom und sein armes kleines Herz weiß gar nicht mehr wo es noch hin soll. Ungeduldig mahlt die Sucht von Hand, das Näschen schnuppert bereits aufgeregt und die Spucke suppt aus beiden Mundwinkeln.
Es ist nie zu spät - für Nervosität.
Wenn etwas geht - dann Nervosität.
Durch seinen Kopf zieht ein Raunen.

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