Mittwoch, 2. September 2026

GESTERN.



Gestern habe ich mich endlich einmal wieder um dein Grab gekümmert. Den einsetzenden Regen nutzte ich, um möglichst niemandem auf dem Friedhof zu begegnen. Vorsichtig schielte ich zu deinem Grabstein, näherte mich langsam und war dann doch froh plötzlich davor zu stehen. Der Anblick war erträglich - das Unkraut hielt sich aufgrund der Dürre zurück. Rosen und Lavendel trotzten der Hitze ... dann legte ich los. Mit der Motorsense kappte ich die Nesseln, kürzte alles was drum herum genug Zeit zum Wachsen gehabt hatte. Von da an ging es mir schon etwas besser. Immer diese Hemmungen! Kurz darauf Verschnitt von Hand und mit Gartenschere - kurzer Prozess für Vertrocknetes! Ebenfalls von Hand und mit gekrümmten Rücken das Zupfen von kleineren versteckten Unkräutern. Eine Schweißperle versickerte in der staubigen Erde. Bald darauf nahm ich Hacke und Harke ... machte mich am Erdreich zu schaffen .... lockerte und bemusterte alles fast schon vorbildlich. Kein Gedanke dabei an dich - nur ein hoher Puls der gegen die Schläfen schlug. Trotzdem Erleichterung und ganz langsam abfallende Anspannung. Jetzt hatte ich es ja gewagt. Auf dem Nachhauseweg, den Friedhofsberg herunter, da eröffnete sich in mir plötzlich ganz viel Liebevolles und du kamst mir sehr deutlich in den Sinn. Darüber war ich froh - schämte ich mich doch zunächst meiner pragmatischen Vorgehensweise. Doch da warst du wieder ... und ich konnte in deine gutmütigen Augen sehen! Längst nicht mehr unter einer schwarzen Decke gefangen sondern eher mit viel warmen Licht versehen. Spüren konnte ich - wie gut mir dieser Weg zum Grab tat ... zumindest nachträglich und nach getaner Arbeit. Die gepflegte Ordnung um den Grabstein sorgte auch tief in mir für Ruhe. Morgen werde ich noch ganz viele bunte Stiefmütterchen stecken.