Fragil, fragil ... wenn sich alles andere erübrigt hat und die alten Bekanntschaften sich ein für allemal in alle Himmelsrichtungen verstreut haben. Peter schnappte nach Luft - so gut es ging mit seinem Glimmstengel und der seit Jahren zunehmenden Kurzatmigkeit. Die Dinge im Leben verändern sich und das Altwerden geht mit dem ausgelatschten Teppich einher. Und dann schleicht sich die Einsamkeit mehr mutwillig als rücksichtsvoll heran und packt dich an den Schultern ... nur um nie wieder loszulassen. Peter hat das so in etwa zum Ausdruck gebracht und sich dabei die kleinen feinen Schuppen aus den buschigen Augenbrauen gerieben. In einem unbedrucktem Beutel aus fast durchsichtiger Plastik angelt sich eine von Gicht geplagte Hand den schlanken Flaschenhals mit dem goldenen Verschluss. Gleich ist alles wieder gut. Scheiß auf die verlorenen Kameraden und Weibsbilder ... die einen pennen schon unter der gefrorenen Erde und andere wenden ihre fettigen Hüften auf einer Couch mit grauem Kunstfell. Peter hat alle und alles abgeschrieben und redet sich lobend in einen Rausch voller Selbstherrlichkeit. Er versteht sich darin. Eine seiner vielfach schlecht gestochenen Tätowierungen zeigt das Busenwunder Rita. Das war eine liebliche Granate mit allem was das junge Herz einst begehrte. In Peters Nüschel existiert die kurvige Rita nach wie vor ungebraucht im Originalzustand. Diese gedankliche Exklusivität leistet sich das Peterchen in allen Belangen. Gerade deshalb erscheint ihm die Gegenwart so fragil. Das Hier und das Jetzt steht immer nackig im Kaltnassem. Und ja - es sei ein großartiger Fehler so viele Zigaretten und Schnaps in sich hinein zu stopfen.
Aus aufgerissenen Augen tropfen silbern anmutende Tränchen direkt in den Fertig-Kartoffelsalat. Eine verbogene Gabel stochert zwischen dem weißen Gel der Mayonnaise und kann sich zu nichts entscheiden. Wie ermüdend doch die Müdigkeit ist. Omas alte Couch dient einem bleiernen Schlaf der Verdauung. Peter träumt von Rita und Isabelle. Beide sind nackt und scharwenzeln lachend um ihn herum. Blöde Märchen mit bescheuerten Prinzessinnen. Lächerlich das diese beiden Girls noch einmal derart seine gedankliche Nähe suchen. Wer sich das nun wieder ausgedacht hat! Zum Arsch mit den unangekündigten Wiederholungen! Peter fasst noch während dieser Siesta mit seinem rechten Zeige- und Mittelfinger in den nur zur Hälfte verspeisten Kleister neben sich. Die angebrochene Packung steht für den Stillstand seines etwas verdorbenen Lebens. Natürlich wäre es jetzt besser, Wallnüsse kauend in einem Fitnessstudio den alten Hoden auf einem Sattel wund zu scheuern. Peter kennt jede Theorie und ist dennoch jedes Mal Opfer einer von Gülle getränkten Praxis. Er schwingt seinen rechten Arm seitlich aus ... zwei Versuche ... und packt schließlich den Doppelkorn fest am Hals. Leise gleitet der Sprit in den wund gesoffenen Rachen und sorgt mit seiner Herrlichkeit vorerst für die berühmte Ruhe im Schacht. Auf dem Plattenteller dreht sich „Glasgow Eyes“ von THE JESUS AND MARY CHAIN und wie aus dem völligen Nichts bricht die ungehemmt strahlende Sonne eine Lanze für die Idee einer neuerlichen Hoffnung.

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