Sonntag, 30. August 2026

SCHLITTENFAHRT.



Die in sanftem Gelb lackierte Karre riss lauter tiefe Narben in den frisch gefallenen Schnee. Peter konnte seine Zigaretten derart tief auf Lunge rauchen, dass ihm am folgenden Morgen schwarzer Teer aus dem Hintern floss - aber er brauchte das. Gekonnt driftete er den sportlichen Schlitten durch gefrorenen Regen und drehte wie von Sinnen am winzigen Lenkrad. Aus dem einen einzig noch funktionsfähigen Lautsprecher schoss der Heavy-Sound von JUDAS PRIEST und peitschte seinen Eifer. Peter soff sich durch die gesamte Nacht und seine Haut wurde glasig vom Taumel. Sein Fuß steppte zwischen Gas und Bremse, so als würde ein Tick den anderen jagen. Einundzwanzig Liter Benzin schossen durch den Körper des spritzigen Wagens und im Wirbel der Flocken schleuderten die Scheibenwischer von einem Ufer zum nächsten. Hier gab niemand nach. Ein Maximum an Selbstbeherrschung ging fröhlich den lieben Bach herunter und hinter der nächsten Kurve griente das Unheil mit einer Peitsche im Anschlag.

Jedes noch so billige Parfum beginnt zu duften, wenn es nichts mehr zu gewinnen gibt. In der Raserei verliert der Mensch nicht nur seine Selbstbeherrschung, sondern auch das kleinste Ziel aus den Augen. Peter riss an den Gängen herum, überließ den Motor einer unfassbar heftigen Reibung und schoss wie von Sinnen durch das malerische Weiß der winterlichen Landschaft. Malmend und kauend fassten breite Reifen den steifen Boden, bissen sich durch Wehen, schlingerten über eisige Pfützen. Auszeit und Ausfall der Systeme - Verlust jeglicher Kontrolle ... nur die MARLBORO haftete noch halbwegs sicher zwischen völlig verkrampften Lippenbekenntnissen. Peter ging aufs Ganze. Er wollte wissen, inwieweit das Schicksal durch eine betonte Untermalung bereit sei, ihm die Leviten zu lesen. Deshalb lag er ja dann auch am 18. Februar des Jahres 1979 auf der Intensivstation des Bezirkskrankenhauses und schlürfte fettreduzierte Hühnerbrühe aus einer weißlichen Tasse.

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