Donnerstag, 5. März 2026

PETERS MONOLOG.



„Mit zwei gut geschliffenen Gabeln könnte ich mir die Augäpfel zerkratzen ... so juckt es mich ... die Haselnussblüte ... verdammt sei Jesus Christus und Maria Stuart mitsamt Josef und seinen Kumpanen!“ Peter träufelte sich schwer atmend die Azelastinhydrochlorid-Lösung in seine ausufernden Tränensäcke und schmierte danach den klaren Nasenschleim mit seinem behaarten Handrücken einmal quer über die linke Gesichtshälfte.
„Können wir noch einmal über alles reden?“ fragte er mit Nachdruck und in einer krächzenden Tonlage, fingerte dabei an einer Selbstgedrehten herum. „Die ganze Situation um Birgit, Tina und Steffi ist ein einziges großes Missverständnis und das kann ich wie eins plus zwei ist gleich drei erklären ... die Liebe hält sich doch nicht an Drehbücher oder ein moralisches Gebot. Die Liebe ist wie ein tollwütiger Hengst der in unendlicher Freiheit nach der Linderung für seine Schmerzen sucht!“ Peters Augen waren von hellrosa bis blutrot unterlaufen und vereinzelt rann das Tränenwasser an den Seiten herunter. Das der Frühling kommen würde war ja schließlich klar - und er kam mit Pollen und Raketen. Wie bei einem Staffellauf würden sich die Jahreszeiten und Kriege aneinander ketten ... wie normal das geworden ist seit hunderten von Jahren.

Peters Monolog: „Vor meinen Augen ist nur verschwommenes Schilf ... das bewegt sich zu allem Unglück hin und her ... bereitet mir Schwindel und Kopfschmerz ... und mein Herz das bummert und wummert ganz laut ... möchte sich einen Ausgang suchen ... meine Brust hebt sich massiv ... als würde augenblicklich alles zerspringen. Überall Schilf! Soweit das Auge reicht! Undurchdringlichkeit, messerscharfe Halme, ohrenbetäubendes Rascheln der steifen Blätter ... und alles mit Unschärfe belegt ... wie sich alles zur einen Seite neigt und kurz darauf zur anderen. Verheddert, verlaufen und verloren inmitten der robusten Pflanzen ... ein Herz am falschen Fleck und in aller größter Not!“

Mitten im März liegt wenig Raum für eine gute Idee. Während dem armen Peter der Schädel zu zerplatzen scheint, bauen die ersten Ameisen fast gleichgültig an ihren neuen Domizilen. Überhaupt scheint das Mütterchen Natur zu alledem nur feixend die Schultern zucken. Blasse Farben im grellen blauem Licht, kalter Wind im Wetteifer mit den ersten wärmenden Strahlen der Sonne. Ein langer Anlauf scheint vonnöten um all der Ungemütlichkeit zu entfliehen. Die wippenden Blüten der Haselnuss hängen wie unschuldig herum ... Peter hasst sie jedes Jahr aufs Neue und träumt von einem Gemetzel mit Säge und Beil ... alles muss entfernt und entsorgt werden. Er wisse ja auch nicht weiter und niemand hat die Haselnussbäume um diese Störungen gebeten.

„Komm, wir gehen zum Strand“ sag ich, doch Peter schüttelt nur müde den Kopf. Das sei doch nur ein Sehnsuchtsort, eine Illusion, der Trost für irgendeinen unerfüllten Wunsch. Am Strand käme nur Melancholie auf und die Menschen würden nach einem kurzen Gefühl des vollkommenen Glücks nur umso trauriger wieder abreisen. „Darauf lasse ich mich gar nicht erst ein - ich sage nur Birgit, Tina und Steffi! Immer das gleiche Prinzip. Da bin ich raus.“ Der Monat März bespringt die Menschheit ganz klar von hinten und drängt sich mehr als frech mit einer Vision auf. Mancher zieht daraus Kraft ... ein kurzer Schreck und alle Blicke sind der Zukunft zugewandt. Es entstehen zaghafte Frühlingsgefühle - andere entdecken darin Penetranz und eine unverhohlene Form von Qual. Als Zwischenstück benötigt es den März wie den November. Und es braucht die Liebe, die Klarheit und Deutlichkeit irgendeiner Hoffnung. Peter kann es nur leider gerade nicht erkennen. Wegen dem ganzen Schilf.