Nur noch ein paar kleinlich abgezählte Jahre ... nur noch den einen oder anderen zaghaften Frühling ... nur noch etwas von der großartigen Liebe welche mich so glücklich macht ... nur etwas erlösender Starkregen ... nur noch ein wenig friedlichen Schlafes ... nur noch dieses eine unerwartete Wiedersehen ... nur noch etwas auf die große Erlösung hoffen ... nur noch die letzten Gedanken an den guten Glauben verschenken!
Wir hocken dicht an dicht in der kühlen Kirche und zwischen all dem aufgeregtem Gemurmel ist auch Räuspern und Unverschämtes zu vernehmen. Mitten im satten Leben, da wo sich die grellen Farben quietschend durch laute Straßen drängen und der berstende Geruch von Fett und Sperma alles matt belegt - dort soll Platz für Jesus sein? Oberflächlich starrt der Mensch am Licht vorbei, wenig Demut, wenig Andacht und noch viel weniger Liebe. Die Hauptsache versickert im eigenen Glück.
Der Pfarrer predigt. Er findet die Worte. Schließlich fasst er alles zusammen. Amen bedeutet Tatsache. Alle schmunzeln in ihrem eigenen Saft.
Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Dem einen oder anderen ereilt das Schicksal demnächst und unangekündigt. Die Autobahnen und Krankenhäuser sind voll von derartigen Querschlägern des Lebens ... im Verborgenen siecht das abgedunkelte Leid vor sich hin ... kein überdimensionales Kreuz auf einem gut sichtbaren Berg. O du fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit! Alles singt voller Inbrunst und das ist wirklich jedes Jahr so. Immer und immer wieder ... Nur noch dieses eine gemütliche Fest ... nur noch einmal die verwegenen Wildgänse gen Süden ziehen lassen ... nur einmal noch am brausenden Meer ... nur noch hinter dem einen, rundem Geburtstag her jagen ... nur ein ordentliches Besäufnis noch ... mit Vollgas ins blitzende Radar und wirklich nur noch einmal alles um mich herum völlig vergessen können!
Die Gnade sei mit mir.

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