Samstag, 5. September 2026

EINS BIS SECHS.



Mit einem mächtig angekohltem Holzlöffel rührte ein einsamer Mensch im Bohnenbrei über der offenen Feuerstelle. Sein kaffeebraunes Pferd wieherte unablässig und witterte wohl eine aufkommende Gefahr in unmittelbarer Nähe. Den einsamen Mensch kümmerte das wenig - stoisch bewegte er den langen Stiel kreisend im Durcheinander der Zutaten.

Okay. Stopp! Es gab kein ängstliches Pferd, keinen Holzlöffel, keine abenteuerliche Feuerstelle und schon gar nicht den dampfenden Brei aus Bohnen und Speck. Peter saß nur verträumt an seinem wackligen Campingtisch im Wohnbereich und hielt einen Spielwürfel in seiner Rechten. Die Vorstellungskraft war seine größte Stärke. Kurz darauf ließ er wieder und wieder den kleinen Quader los rollen.

Eins, eins, sechs, fünf, zwei, eins, fünf, vier, vier, zwei, eins, drei, vier, drei ... und so weiter und so fort. Ein mächtiges Gewürfel! Dazu führte Peter eine akribisch vorbereitete Strichliste ... durchnummeriert von 1 bis 6. Jede angezeigte Zahl bekam einen Strich dahinter - seit Stunden. Ein wildes Rennen mit dem Schicksal. Einem geeichten Zufall folgend. Daraus ergab sich ein ständig verändertes Zwischenergebnis.

Mal lag die Eins vorn ... dann zog die Sechs auf und davon und Peter glaubte schon an eine Unwucht des Würfels ... bis die Vier wieder heran kam und von der Drei unterstützt wurde. Es war atemberaubend, mit Spannung besetzt und wenn Peter sich nicht gerade in eine Wildwest-Träumerei entließ, dann fieberte er auf eine kindliche Art und Weise einem nie zu erreichendem Endergebnis entgegen.

(Und wenn er nicht gestorben ist, dann würfelt er noch heute.)

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