Der Mann fiel mir im Sommer auf. An einem sehr gut besuchten Nackt-Strand auf Usedom. Seine gesamte Körperhaut war versteckt unter einem dicht geschlossenem Teppich schwarzer krauser Haare. Er sah irgendwie filzig aus. Nur sein fröhliches Gesicht sowie der blitzblanke Schädel glänzten vom Lichtschutzfaktor 50.
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Gerd ... schön das ich dir ein paar Fragen stellen darf. Du wirkst auf mich wie eine Gewalt der Natur, ein Phänomen oder gar eine Sensation. Ich kann meinen Blick gar nicht mehr abwenden vor Faszination! Wann fing denn dieser immense Wuchs der Körperbehaarung eigentlich an?
Hallo erstmal ... sehr gern gehe ich auf deine Fragen ein und hoffe auf maximale Aufmerksamkeit ... he-he (lacht verschmitzt). Den ersten ganz normal aussehenden Flaum erhielt ich wie viele heranwachsende Jungen etwa mit 11 Jahren. Leichte Besiedelung auf dem Brustkorb, unter den schwitzenden Achseln und ein zartes, kaum sichtbares Bärtchen über dem Mund sowie einiges mehr am Geschlecht. Mehr war da nicht. Als ich mit 21 Jahren der Geburt meines ersten Kindes beiwohnte, durchfuhr mich ein seltsames Kribbeln ... vor allem auf der Kopfhaut. Drei Wochen später hatte ich schon eine Halbglatze, sechs Monate darauf dann kein einziges Haar mehr auf dem Haupt. Parallel zu dieser Veränderung, begann es am restlichen Körper mächtig zu sprießen ... wie ein militärischer Feldzug übernahm die Behaarung jeden einzelnen Winkel meines Körpers. Das ging einher mit brutalem Juckreiz und einer schweren mentalen Krise. Meine damalige Frau nahm es zunächst mit Humor ... zuerst nannte sie mich noch zärtlich "Bärchen" oder "Kuschel-Teddy" ... später nur lapidar einen "Affen". Das tat irrsinnig weh.
Hat sich deine damalige Frau alleinig wegen der plötzlichen Behaarung getrennt?
Ganz klar JA! Und ich kann es sogar nachvollziehen ... plötzlich waren da überall haufenweise Haare ... im Ausguss, an der Staubsaugerbürste, auf dem Schneidebrett oder auf ihrer Zunge. Sie musste sich ständig meine kleinen gekrümmten Härchen aus den Zähnen ziehen. Im Bett brach sie beim Geschlechtsverkehr urplötzlich ab ... mal vor schallendem Lachen und mal aus reinem Ekel. Sie hatte das Gefühl mit einem Tier zu rammeln. Das waren schreckliche Wochen. Schließlich zog sie mit Sven, unserem gemeinsamen Kind, in einer Nacht- und Nebelaktion aus. Aber wir haben jetzt wieder einen guten Kontakt miteinander.
Hier am Nackt-Strand stellst du deinen Körper offen und angstfrei zur Schau ... das finde ich gut. Wie reagieren die Menschen auf dich?
Na wie wohl heutzutage? Die machen sofort Fotos mit ihren Funktelefonen ... kichern, staunen und manche wollen mich sogar anfassen. Eigentlich wollen das sogar ziemlich viele. Es gibt einige Frauen (und einen nicht unerheblich Anteil an Männern- schmunzelt), die das sogar antörnt. Und das tut mir gut ... sie sehen in meiner Behaarung sehr viel männliche Ausstrahlung, wohlige Geborgenheit und einen urtümlichen Schutz. Zärtlich wie liebevoll nennt man mich mal "Filzbällchen" oder "Wollknäuel" ... mancher raunt mit heißem Atem auch „Wolf“ in mein Ohr. Also hier am Strand und splitterfasernackt finde ich auf dem direktesten Weg die Menschen, welche mich so nehmen wie ich bin.
Worin besteht dein größtes Problem?
Der Wuchs! Dieses ständige massive Nachwachsen ... es gibt da ein Comic-Heft von Asterix ... da braut Miraculix einen Fake-Zaubertrank, welcher den gierigen Römern allerdings keine übernatürlichen körperlichen Kräfte stattdessen aber andauernden Haarwuchs beschert. Die sind nur am Scheren ... und genau das ist mein größter Alptraum bei meiner Behaarung. Haare wachsen im Schnitt 1 mm an drei Tagen ... bei mir sind es 5 cm in einer Woche. Dazu kommt noch die Dichte des Wuchses sowie die massive Stärke der Haare: sehr robust. Glücklicherweise haben wir in unserem kleinen Ort einen hilfsbereiten Schäfer ... der klemmt mich alle zwei Wochen zwischen seine Knie und erledigt das in kürzester Zeit auf sehr pragmatische Weise (lacht schmerzlich). Nein, das mit den Knien stimmt nicht - ich nehme auf einem drehbaren Schemel platz. Aber der Schäfer nennt mich im Scherz liebevoll sein „schwarzes Schaf“. Warum nicht. Für einen Zehner in bar lass ich mir das gefallen.
Galgenhumor nennt man das wohl ... wie sind sonst die Aussichten - gibt es eine Möglichkeit dir eines Tages medizinisch zu helfen?
Nun, probiert habe ich bereits alles. Kam mir vor wie eine Labor-Ratte. Es gibt vergleichsweise viele Menschen auf der Welt, welche ein ähnliches Problem haben ... oft in Indien, Pakistan, Iran, Australien oder Peru ... das sind so Länder mit einer größeren Anzahl von extrem behaarten Männern. Bei niemanden aber wächst es so schnell und ungebremst wiederkehrend wie bei mir. Mittlerweile spende ich seit Jahren Säcke-weise mein „Produkt“ an Bedürftige ... und es wird wohl zunächst alles beim alten bleiben.
Das tut mir leid! Hast du noch eine Botschaft an deine Mitmenschen?
Hm (überlegt) ... ja ... versteckt eure sogenannten Makel nicht ... den Buckel, die Krampfadern, den Silberblick oder eine Fehlstellung. Erst wenn alle Menschen offen und ehrlich mit ihrem Körper ins Freie treten, wird alles sichtbar und damit zur Gewohnheit. Bleibt bei euch selbst und habt die Kraft, das Gelächter und schamhafte Staunen zu ertragen! Es wird einmal der Tag kommen, an welchem wir unsere schöpferische Vielfalt vollkommen normalisieren und kein Hahn mehr nach der Hasenscharte kräht.
Vielen Dank und alles Gute!

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