Letzter Tag im Sommer! Eine oberschlaue wie geltungsbedürftige Grille macht nochmal anklagend Radau, geigt sich wie geil geworden ein und bringt am Ende doch nur einen einzigen Ton ... wie rückwärts fahrende Gabelstapler. Jensen ext den 0,25 Liter Riesling wie einen Fingerhut voll Medizin - etwas anderes war nicht mehr im Haus und Jensen braucht das jetzt. Er ist auf der Jagd nach einem Waschbären und seine klapprigen Flossen können sonst den Knicker nicht mehr ruhig auf das lebende Vieh halten. Eigentlich bräuchte es noch zwei bis drei Doppelkorn ... witziger Zusammenhang denkt Jensen ... wegen Kimme und Korn ... er muss wiehernd lachen. Seine Lippen bewegen eine muntere Lucky Strike - und weil er seit seinem 12. Lebensjahr schon so quartzt, sammelt sich im Rachen die dunkelgelbe Aule. Jensen will das räuberische Tier heute unbedingt tot sehen. Leblos soll es der Länge nach auf dem gepflegten Rasen liegen: er würde triumphierend darauf pissen! Der Waschbär klaut schließlich seinen geliebten Vögeln die Eier aus dem Nest - das nimmt er ihm krumm. So geht das nicht! Rotkehlchen, Meisen, Zaunkönige, Amseln ... die hat das amerikanische Pokerface allesamt auf dem Gewissen! Jensen vergöttert die kleinen Vielflieger und vermisst Jahr für Jahr immer mehr von ihrem Singsang. Jetzt langt es - die Munition kugelt sich drollig im Gewehr und möchte gern ins warme Fleisch dieses verdammten Räubers. Jensen ist nervös. Heute muss es sein ... und wenn er die ganze Nacht auf der Lauer liegt. Es ist sein ganz persönliches Ausschlussverfahren und die gefühlte Kopfgeld-Prämie liegt in seinem Kopf wie ein schwerer Sack voll Gold.
Erster Tag im Herbst. Die Grillen scheren sich nicht ums Kalendarium und musizieren noch am frühen Morgen. Jensen liegt auf dem Rücken und scheint tot zu sein!

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