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Dienstag, 22. September 2026

DUNKELHELL.



Lautlos tritt der schwere Schatten aus dem Hintergrund in das Unberührte ... frech, dreist und alles mit Dunkelheit belegend. So könnte man das Schicksal beschreiben - Peter schien sich zumindest daraus einen Reim machen zu können. Der September fühlte sich schmerzhaft lang an, so als habe er fünfzig Tage. Das Girokonto war wie von einer Formation Schneeschieber geräumt worden und die blauen Säcke mit den hunderten Pfandflaschen erschienen wie ein Tag Arbeit unter Mindestlohn. Draußen plärrten Kinder ihr „Digga“ an hallenden Häuserfronten entlang - Peter begann sich zu hassen. Hinter dem Kühlschrank roch es faulig süß - von einer seit Tagen gammelnden Maus. Die hing kopfüber in einer Falle und war unter den letzten Zuckungen ins Unerreichbare ausgewichen. Der Kammerjäger wies auf eine Zwischendecke hin und empfahl geduldiges Ausharren. Fast reißend, zerrte Peter die ausgeblichenen Vorhänge zu und ließ sich im Halbdunkel seiner notdürftig aufgeräumten Kammer nieder. Über ihm gondelte die 25 Watt Glühbirne - an der hatte er sich Sekunden vorher ganz leicht gestoßen. Peter brummte nur das Wort „schwul“. Das machte er bei Missgeschicken immer so ... wie ein irrsinniger Tick ... warum auch immer.

Tja. Trat nun also der Schatten lautlos in den Vordergrund seines etwas improvisierten Lebens. Er konnte seit mehreren Tagen nicht mehr sein Geschäft verrichten - wie vernagelt oder zugenäht war das Organ und Peter hatte die Diagnose frisch, frei und unverblümt in einem ausgezeichnet ausgeleuchteten Arztzimmer präsentiert bekommen. Seine Innereien waren wie mit Zement ausgegossen und die gute alte Bauchdecke fühlte sich wie ein Schiefergebirge an. Er hockte wie ein Kleinkind auf dem Klosett und wimmerte leise in sich hinein ...
Der Tag übergoss die Momente mit grellstem Licht ... flutete jeden klammen Winkel und versuchte, so gut er konnte, allem einen Anschein zu geben. Peter legte sich eine Videokassette in den abgenutzten Recorder und beobachtete einen alten Italo-Western beim Versuch unterhaltend zu sein. Er spürte aber in jeder sich bietenden Handlung nur noch schale Wehmut. Könnte nicht der Revolverheld einfach seinen Silberling aus dem Bildschirm heraus auf ihn richten und den Abzug krümmen? Das wäre ein verdammt cooler Abgang! Mit dieser fast schon tröstlichen Vision schlummerte unser Freund friedlich ein und sprang dabei über alle seine Schatten.

Samstag, 31. Januar 2026

WO SIND DIE MEISEN IN DER NACHT?



Die Meise ist ein Vogel. Der Vogel kann fliegen. Das macht er recht gut.
Der Mensch starrt aus dem Fenster. Er kann nicht fliegen. Dafür grübelt der Mensch. Wo sind die Meisen in der Nacht? Sie schlafen vielleicht. Oder hören ASAP ROCKY. In einer kleinen Mulde wiegen sich ihre Köpfe. Der Mensch denkt nach. Mit der Dunkelheit kriecht auch das Traurige aus allen Verstecken. Der Mensch überlegt. Wo sind aber die Meisen in der Nacht? In einem kleinen Erdloch vielleicht. Oder zu Besuch beim Zaunkönig. Dort wird noch ganz leise gezwitschert. Damit der Mensch im Würgegriff der Stille ungestört Trübsal blasen kann.

Dienstag, 7. Oktober 2025

ZWEIFEL.



Die metallischen Körbe rasseln. Zwei ältere Damen schütteln ihre grauen Häupter. Eine leere Dose kullert unter das große Auto mit dem Stern. Der Wind treibt alles vor sich her, peitscht mit kalter Blässe die unnahbaren Gedanken durch mörderische Wucht. In einem langen schwarzen Mantel stolziert Vater Wahnsinn über den zugestellten Parkplatz und verteilt Schicksalsschläge. Es droht Ungemach - für jeden einzelnen von uns. Die Bitterstoffe des Lebens, das gänzlich Überwürzte, ein kräftiger Hieb voller Unbarmherzigkeit und ohne den Funken einer Gnade.

In einem der prall gefüllten Einkaufswagen erheben sich die Waren zu einem babylonischen Turm und die beinhaltete Süße zerschlägt alle reinen Gedanken. Lautlos weht das Flügelchen einer toten Meise mal hier und mal dorthin, zaghaft wie bescheiden und um keinerlei Aufmerksamkeit bemüht. Auf einem verloren gegangenen Einkaufszettel verwischen die Einträge durch aufkommenden Regen. Die Butter löst sich auf.
Hinter einem abrissreifen Schuppen kniet der Meister Tod und strickt in dieser unbequemen Haltung an einem langen schwarzem Schal. Fast schon bescheiden wirkt die Szenerie. Er bleibt unbemerkt. An den Kassen saugen müde Verkäuferinnen an ihren stillen Wassern und knaupeln den Lack von Fingernägeln. Es bleibt nicht mehr viel übrig vom Tag - die Reste des Glücks schwimmen in einer gut verschlossenen Schnapsflasche und gieren nach den Sehnsüchten der Menschenkinder.

Auf die Zeit ist kein Verlass mehr. Alle Garantien scheinen aufgebraucht. Im steten Wechsel aus Licht und Dunkel entwischen Glaube wie Hoffnung. Der OP- Schwester wird alles zu viel und zu allem Unglück fingert sie die letzte Zigarette aus einer bereits zerknautschten Umverpackung. Das Elend ist ein SUV. Die Schicht beginnt ja gerade erst. Zögerlich interveniert sie beim behandelnden Chefarzt: „Sind sie sich sicher?“