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Samstag, 31. Oktober 2026

DAS REZEPT!



Gelblich vergilbtes Papier, etwas zu dünn, mittlerweile zerbrechlich und mit kleineren Rissen versehen - liniert durch matte bläuliche Linien ... ein einzelnes Blatt, kein DIN-Format und mit einem dumpfen Geruch umweht. Da liegt es. Auf dem alten Küchenschrank unter einer dicken Staubschicht. Es enthält eine Information ... eher einer Notiz ähnelnd ... Gedankenstütze, Vermerk, Handlungsanweisung. Das Rezept!

Die jungen Kartoffeln seien zu schälen, rote Zwiebeln sind zu würfeln, gelbe Karotten in Scheiben und das magere Fleisch soll ordentlich garen. Pfeffer ist im Spiel, Salz und Thymian, Liebstöckel, Knoblauch und etwas vom Koriander. Pfannen, Töpfe ... Rühren, Wenden, Anbraten, Dünsten, Dämpfen wie auch Kochen. Alles nach einem festen Plan durchgerechnet. Das Rezept!

Auf dem Tisch die frisch duftende, weiße Decke, das feine Silberbesteck und passende Untersetzer. Eine schmale Kerze leuchtet königlich. Blümchen in vielen Farben inmitten einer zarten schlichten Vase. Weingläser stehen aufrecht und Servietten liegen pedantisch gefaltet neben jedem Platz. Schüsseln, Terrine, Soßen-Krüglein ... Fleischzange, Schöpfkelle ... ein Tranchiermesser leicht bedrohlich aufgesteckt. Das Rezept!

Kurze Mittagsruhe am offenen Fenster ... es weht die feinen Gardinen ins Innere. Der rundliche Bauch hebt und senkt sich gleichmäßig, beide Hände darüber leicht gefaltet ... wie zum Gebet - demütig und zufrieden im Takt der Atmung. Kleinere Träume tun sich auf. Ein grauer Spatz pickt auf der Bank nach winzigen Insekten, es klirrt ein Windspiel ... Brummelndes Schnarchen suggeriert vollkommenes Glück. Ein freiheitsliebender Furz mischt sich verpuffend in die Szenerie. Das Rezept.