Freitag, 6. Dezember 2024

ALLES BLEIBT ZURÜCK


 

Vor gar nicht allzu langer Zeit schoss es mir durch meinen wirren Kopf: Die Geburt und Jesus ... jede noch so großartige Geschichte, der erste Kuss mit Zunge, zugeschlagene Bücher, ausgetretene Schuhe, Zeugnisse wie Urkunden, der letzte und auch der nächste Herbst, vereinzelte Tränen, Verbitterung, Völlegefühl, schönste Träumereien, ein Versagen, das Verbrechen, alle Schwüre, Ansagen, Verträge - vergänglich! Die ausgetretenen Pfade eines kleinen Lebens, die Wülste von ungezählten Narben, Hall der Rufe, Schreie und Gebete, jedes kluge Wort oder eine wirklich grandiose Lüge - vergebene Mühe! Da stehen nun alle Jahre nur als Einheit für des Vergessen. Sicherlich ... die Fäulnis braucht ihre Zeit. Aber letzten Endes wird nichts bleiben. Vielleicht der aller letzte Trost für eine völlig verunsicherte Welt. Der Rabe nimmt sich der Toten an.

Sonntag, 17. März 2024

TUMOR



Das etwas zu schmale Bett. Verschwitztes knittriges Laken. Ein eingeklemmt Sterbender. Die trockenen blättrigen Lippen zu einem Strich fest verschlossen und der stierende Blick verliert sich in der sauberen Leere des geweißten Zimmers. Ein klapperdürrer Bruder ist zu Besuch (am Bett sitzend). Die bräunliche XXL-Tüte von McDonald`s auf den Oberschenkeln balancierend. Lauwarme verrutschte Burger, pappig- labbrige Pommes und dazu ein Vielzahl süßlicher Gerüche. Nuancen die sich grotesk vermischen und vermengen mit unsauberen Ausdünstungen sowie anderen klinischen Merkmalen. Es wird dann gegessen. Kein Wort fällt. Einträchtiges gleichbleibendes Kauen und Hinunterschlucken der abgekühlten Fressalien. Sogenannte Normalität kurz vor Toresschluss. Das aufreizend laute Knacken zweier Dosen Cola zerbricht bleierne Stille. Aber immer noch keinerlei Stimmen zu vernehmen. Stupide malmende Kiefer. Zeit die wieder einmal bösartig vergeht. Ein durchaus schlichtes Ende - schulterzuckend seinen Dienst verrichtend. Das armselige Schicksal hat sich hübsch gemacht.