Ja ... da saßen sie alle ganz brav in Reih und Glied an dem feucht-muffigem Holztresen ... auf feuerroten durchgescheuerten Kunstleder-Barhockern und starrten in flackernde Glühbirnen ... nur um sich auf eine vertraute und liebevolle Weise selbst zu beweinen .... die Männer mit den wenigen Haaren, akkurat seitlich gekämmt mit dem Fett der Kopfhaut und einem fleckigem Plastik-Kamm. Die Lider der traurigen Augen hingen schlaff wie faltig - so als seien sie verwitterte Jalousien. Dickliche Daumen drehten mit gekrümmten Zeigefingern an gut gefüllten Schnapsgläsern und sorgten damit für etwas entspannte Kurzweil ... bevor sich all die übel riechenden Mäuler ein weiteres Mal wie riesige Grüfte dem sauber gefilterten Doppelkorn entgegen dehnten. Die Zeit stand hier still. Wie der verklebte defekte Ventilator über den müden Rundrücken ... wie der letzte Entschluss aus dem vergangenen Jahr ... wie die taube Zunge ... wie das halb erstarrte Herz ... die Zeit humpelte querschnittsgelähmt auf der Stelle und hinterließ nichts als bleierne Leere. Es fielen keine Worte mehr. Das Gesagte lag auf dem Dachboden einer verstaubten Erinnerung. Eingemottet und vergessen. Dieser Zustand war von einem überdimensionalen Frieden überzogen. Volle Gläser folgten auf Geleerte ... ein ums andere Mal ... immer und immer wieder gleichmäßig verteilt über Stunden, welche wie dahinrasende Sekunden wirkten.
Die Männer der verstorbenen Frauen trafen sich genau dreimal in der Woche ... Dienstag ... Donnerstag und Sonntag ... auf der Flucht vor ihrer eigenen Hilflosigkeit ... ungebremst mitten rein in gemeinschaftliche Stille ... Schulter an Schulter ... die unglücklich betrübten Witwer und das fast schon kindlich erscheinende Stolpern über Stock und Stein.

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