Dienstag, 5. Mai 2026

WOHNSTADT-NORD.



Buggy’s ... wohin das Auge reicht! Dazu junge Muttis in äußerst eng anliegenden glänzenden Leggings, PALL MALL zwischen linkem Zeige- und Mittelfinger, Mobilfunk in der rechten Hand ... halb verschlafen und verträumt knabbern dazu die vielen, süßen Plagen an maschinell geformten Brötchen aus dem nahegelegenen Discounter. Unter den kleinen Köpfen wabert Zigarettenrauch - und außerdem fliegen einzelne, lapidare Wortfetzen aus hastig geschminkten Schmollmündern ihrer Mütter. Es ist Montag in der Frühe, gegen 8:30 Uhr - die Liebe hat das Leben verlassen und das Leben die Liebe. So scheint es für einen kurzen Augenblick bei meiner flüchtigen Beobachtung.

Mike ist Maler und seit sechs Uhr auf Baustelle, Pascal sitzt in der Straßenbahn zum Amt, Torsten schläft noch von seiner DHL-Schicht, Luke lernt Dachdecker und hat Berufsschule, Max hat sich für den Dienst an der Waffe entschieden und kommt erst nächsten Monat wieder auf Besuch ... insgesamt fünf Väter haben sich entweder vor oder kurz nach der Geburt ihrer Buggy-Insassen aus dem Staub gemacht ... “Solche Behinderten” ...

Der Sand auf dem Spielplatz ist noch ganz feucht von der kurzen Nacht. Die Kippen vom Sonntag-Nachmittag werden heute gegen 9:00 Uhr die Jungs von der Stadtreinigung wegharken ... aus den Abfallbehältern stinkt es nach Steak-Soße und angetrocknetem Vanilleeis ... niemand hier registriert seine unmittelbare Umwelt - denn derart emotional sind jetzt die Gespräche geworden. Lukas und Damian, die Zwillinge in dem schwarzen Doppelsitzer bäumen sich bereits auf, begehren die Bewegung und das Spiel. Ganz langsam zieht die Sonne hinter dem linearen Geflecht des Sechsgeschossigen hervor, wie aus einem sicheren Versteck heraus und pflanzt schließlich ihr erbarmungsloses Licht in die beigefarbenen Gesichter der Frauen. Manchmal wirkt deren Rouge wie eine zweite, künstliche Haut und das wahre Gesicht bleibt dahinter verschlossen und fast unbeweglich. So präsentiert sich diese ganze Szenerie als stumpf, schroff, spröde ... so wird dieser Montag zu einem trostlosen Ausblick auf die mitunter gähnende Leere des Alltags. Die Lust auf alles gehört zu der Vergangenheit.

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