Er rutscht auf einem aufgeweichten Stück vom Feldweg aus ... schwarze nasse Erde, leicht unter den Sohlen schmatzend ... fällt und rammt sich dann beim Aufprall den Ellenbogen ungünstig in die Niere. Stürzt also wie der erste Mensch, hat keine Körperspannung oder einen geordneten Ablauf von spontaner Bewegung parat. Der güldene Oktober nimmt sich langsam aber sicher dem verhangenen November an. Graue Schleier, prustende Winde, wirbelnde Blätter, gebrochene Zweiglein, düstere Wolken, überfallartige Regentropfen und sehnsüchtiger Sound von Wildgänsen.
Er sitzt fast kauernd vor Schmerz auf dem Klo und aus seinem schlaffen Glied läuft Blut. Seine Niere hustet rot und eine Art von Panik greift wild um sich. Wieder was mit Sorgen, einmal mehr Gedanken-Macherei und schreckliches Unbehagen. Trommelwirbel am Fenster, fluchender Sturm, schreckliche Gespenster des Alleinsein und das Feuer im Ofen fällt halb erstickt in sich zusammen. Ein kalter Morgen zuckt nur mit den Schultern. Aus der Dachrinne wächst die Zeit in langen Büscheln ... die graue Taube hebt einen Schnaps und reihert gleich hinterher.
Speckig glänzende Pflastersteine reflektieren gelbliches Licht von einer musealen Straßenlaterne. Ein Kleinwagen stottert vorüber, das Geläut der Glocken verspricht eine feste Zeit - 18:00 Uhr - und er wird sich jetzt auf den Weg zur Notaufnahme machen. Rein in die kalte Jeans und das flattrige Hemd mit dem violetten Lilienmuster. Unbehagen kriecht ihm hinterrücks über einen zitternden Buckel ... Blut! Blut und nochmals Blut schießt es ihm wie ein Querschläger durch den denkenden Kopf. Ist das fleißig arbeitende Schicksal direkt hinter ihm und schlägt dabei alles kurz und klein? Er atmet hastig und ein tief sitzender Husten poltert wütend aus seiner Kehle.
Doktor Konrad betrachtet den seltsam krummen Wurm vor sich ... ein schmuckloses Exemplar ... lustlos baumelt das welke Fleisch zwischen dem struppigen Beutel-Hoden. Er schämt sich furchtbar vor dem Doktor - so sehr, dass alle Angst wie vergessen scheint. Vorsichtig nimmt der Spezialist das Glied zwischen Daumen und Zeigefinger, dreht und hebt es in alle Richtungen. Ein feines Näschen sowie jahrzehntelange Erfahrung verraten ihm einen blinden Alarm. Patient XYZ/123 mit der abgeriebenen Versicherungskarte scheint gern bei ihm zu sein ... „Haben sie in den letzten Tagen Rote-Beete-Saft zu sich genommen“?
Es regnet wieder etwas stärker ... das Platschen und Plattern, Fließen und Strömen erhebt sich aus einer gemütlichen Hocke. Wetterkapriolen sind das wohl - so viel Nässe, so viel Morast, Modder, Aufgeweichtes auf allen Wegen. Er blinzelt in einen völlig verhangenen Himmel mit tief schwebenden Wolken. Sein Herz rast vor Glück und er nimmt sich einen glitschigen großen Knüppel ... schwingt ihn durch die Lüfte das es nur so pfeift. Wie klein er in sich selbst immer geblieben ist, wie verletzbar und suchend. Aus der Ferne betrachtet springt hier ein großer Junge von Grasbüschel zu Grasbüschel und jauchzt jubelnd schrille Freudentöne in die Einsamkeit einer verlassenen Landschaft.

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