Donnerstag, 21. Mai 2026

KOMMUNIKATION. DAS DOPPEL-INTERVIEW



In der letzten Woche traf ich mich mit dem Pärchen Nancy und Sven zu einem seltsamen und irritierendem Gespräch zu zwischenmenschlichen Kommunikationsformen im Jahr 2026. Die Besonderheit meiner beiden Interviewpartner findet sich in deren ganz eigenem Stil beim täglichen Weg durch ihren Alltags-Muff. Seit knapp vier Jahren unterhalten sich die beiden nämlich ausschließlich über digitale Kurznachrichten und wiegen sich dadurch in einer seltsam-schönen Harmonie.

Guten Tag Nancy, guten Tag Sven - ist es denn überhaupt möglich mit euch zu sprechen - ins Gespräch zu kommen?

Sven: Hallo - natürlich, wir reden mit jedem ... nur eben nicht mehr miteinander.

Ihr würdet also bei einem Zwiegespräch, innerhalb dieses Interviews, das Mobiltelefon nutzen?

Nancy: Deshalb sitzen wir doch hier! (Tippt erregt etwas in ihr Handy)
Sven: (Auf seinem Display lesend) Ja so ist es. So ungewöhnlich es auch klingen mag, aber es gibt viele Menschen welche auf solche Weise miteinander reden. Querschnittsgelähmte beispielsweise. Oder dieser eine millionenschwere Physiker ... (Googelt wohl den Namen)

Das stimmt. Aber Euer Stimmapparat funktioniert dagegen, ihr steht also gar nicht vor den Schwierigkeiten anderer ...

Nancy: Was Sven sagen wollte , ist, dass es funktionieren kann und vielfach auch schon so praktiziert wird. Natürlich sind wir eben, losgelöst von den üblichen Gründen, Sonderlinge. Aber viele der Menschen die uns umgeben kommunizieren bereits zu 30 bis 70 Prozent in unseren Dimensionen. Wir sind da nur die Spitze des Eisberges und schlicht konsequenter in Art und Weise.

Das muss ich Euch zugute halten!

Nancy: Früher schrieb ich meinen Freund von überall an ... zunächst per E-Mail, dann per SMS und heute mit dem Service What's App. Das hat Spaß gemacht und es gab keinerlei Befindlichkeiten oder gar Streit. Nach Feierabend tauchten wir dann in unsere reale Welt ein und verstanden uns gar nicht mehr. Der Mundgeruch, der Tonfall, die Lautstärke ... Miteinander reden kann sehr kompliziert werden. Wir kennen Freunde die sich überhaupt gar nicht mehr austauschen ...
Sven: Und Nancy hat hin und wieder gespuckt beim Reden, so ein feiner Strahl von winzigen Speichel-Perlen. Sehr gut gegen das Licht der Sonne zu erkennen. Aber eklig. (Tippt lachend auf seinem Handy herum)
Nancy: (halb auf ihr Display starrend) Er muss ruhig sein! Nach dem Frühstück das ganze Gebiss voller Mohn-Krümel ... bin ich froh, dass nicht mehr sehen zu müssen.

Ihr habt euch also arrangiert?

Nancy: Ja! Es ist ein Deal der unsere Beziehung spannend und abwechslungsreich gestaltet. Es existiert eine natürliche Distanz auf der einen Seite und dann wieder wortlose Nähe auf der anderen. Kennst du das Sprichwort "Man versteht sich ohne Worte"?

Und wie sieht das in eurer Sexualität aus? Geht ihr mit der Technik zu Bett?

Sven: Zunächst musst du wissen: Wir schlafen in getrennten Zimmern und es macht kindlichen Spaß sich noch Nachrichten direkt vor dem Einschlafen zu senden. Kleine Nettigkeiten - ob Nancy auch den Mond sehen kann und so weiter ...
Nancy: Beim Schmusen geschieht jede Handlung wie bei vielen ohne Wortwechsel. Alle anderen Geräusche macht die Natur und dienen eher der eigenen Befriedigung als der typischen Kommunikation.
Sven: Wenngleich mir ein Stöhnen schon etwas mitteilt ... (tippt schmunzelnd auf seinem Handy)
Nancy: (liest und lacht!) Aber man muss die Kirche auch im Dorf lassen! Soll ich etwa "Stöhn-Stöhn-Stöhn" während der größten Leidenschaft noch per SMS versenden?
(Beide lachen!)

Okay, verstehe. Und für das gemeinsame Lachen gilt dies also ebenso ...

Nancy: Natürlich.

Gibt es eigentlich richtige Hürden? Echte Herausforderungen?

Sven: Wir haben ein paar Freunde mit unserer Kommunikation verschreckt, verstört, enttäuscht und teilweise verloren. Gemeinsame Abende liefen dabei völlig aus dem Ruder. Nancys Eltern sind auch frühzeitig abgereist. Da tat manche Begegnung sehr weh.
Nancy: Anfangs glaubten wir, das nie und nimmer durchzuhalten. Aber die Umwelt kommt uns mittlerweile entgegen und wir fallen darin kaum noch auf. Ich vermute das sich manche Pärchen heute eher über ein Online-Portal kennenlernen, obwohl sie sich gerade in der Straßenbahn gegenüber sitzen und die ganze Zeit flirten könnten.
Sven: Wie gesagt, wir zwei sind nur die zu Ende gedachte Konsequenz aus einer ungebremsten Entwicklung.

DOPPELKORN dankt euch für das offene Gespräch und wünscht alles Gute!

Sonntag, 17. Mai 2026

WORTE.



Man sprach ihn an. Wenngleich es eher ein Speichel speiendes Schreien war ... doch der Hall dieser einzelnen Worte schoss einfach so an ihm vorbei ... rechts und links, sogar über ihn hinweg ... das eigentliche Ziel verfehlend  ... wie vor Wut rasende Düsenjets ... während er sich nur behutsam die abstehende Haut vom Daumen schürfte. Geradezu träumerisch haftete sein sehnsüchtiger Blick an den ausgewachsenen Brüsten von Sandra ... streichelnd, liebkosend ... sanft umrandete Konturen unterm weißlichen Pulli. Die Welt war rund und schön ... mit jedem weiteren Traum wurde er immer noch etwas erwachsener. In der zweiten Stunde dann Schulsport. Ein schweres Schlüsselbund kam durch die Luft geflogen und krachte ihm klirrend wie schmerzhaft gegen die linke Schulter. Lehrer dürfen das. Die Wahrheit über das Leben in einem Klassenzimmer lag irgendwo zwischen säuerlichem Scheuerlappen-Geruch und dem unruhevollem Kippeln auf viel zu klein geratenen harten Stühlen. Unter der beschichteten Tischplatte klebten fest erstarrte Kaugummis neben frisch abgeschmierten Popeln. Ein robuster Zehntklässler hat vorige Woche sehr filigran die markanten Initialen der Gruppe KISS ins Furnier geritzt.
Die gebrüllten Worte erstarben im Nichts um ihn herum. Ein zusammengefasster Berg an Schlüsseln lag machtlos neben ihm auf dem glatt gebohnertem Linoleum. An der spinatgrünen Tafel reihten sich die Muster von Zahlen auf. Er betrachtete noch immer ausdauernd das gleichmäßige Heben und Senken straffer Busen ... diesmal die von Steffi. Sie liefen nach vorn etwas spitzer zu als bei der bigotten Sandra ... streng geometrischen Kegeln gleich. Sein Hausaufgabenheft lag wie hingeworfen vorn auf dem Lehrertisch. Für weitere Worte.

Dienstag, 12. Mai 2026

DER SINN.



Verkrautet, verfilzt und in einem heillosen Durcheinander, türmten sich die losen Gedanken pyramidenförmig ... im Begriff zu gehen, mit einer Stabtaschenlampe wild um mich fuchtelnd ... tat ich schließlich nur das Nötigste und schiffte, schwankend und ohne die Hilfe meiner Hände, in eine dunkle Ecke. Nichts passte mehr zueinander! Die Kompatibilität logischer Zusammenhänge wich einem Wust an sprichwörtlichem Irrsinn. Es kümmerte mich jedoch nicht im Geringsten. Nach stummer Verrichtung der Notdurft plärrte ich ausgemachten Unfug in eine bewölkte, finstere Nacht und hielt den Lichtstrahl der Lampe senkrecht ins Universum. Alle Götter aller Religionen rief ich an, erbat Audienzen und flehte schließlich wenigstens um ein wenig Gehör. Stumm klaffte mir das tiefe Schwarz der Himmelsdecke entgegen und ließ mich eine Unendlichkeit lang ausreden. Plötzlich, wie aus dem Nichts, vernahm ich von dort oben ein Kichern - so, als mache man sich über mich lustig! Erst ganz zaghaft zurückgenommen und mit zunehmender Dauer schließlich ungehemmt höhnisch laut. Da konnte ich mich vielleicht bedanken! So eine verdammte Scheiße aber auch ... Himmel-Arsch-und-Zwirn! Wer war ich denn eigentlich zum Teufel? Waren meine Anliegen etwa ohne Bedeutung? Halb schlingernd, halb strauchelnd ... hin und wieder flehentlich auf allen Vieren zog ich durch immer enger werdende Straßenzüge bis sich schließlich das Unendliche über mir komplett versteckt hatte. Fast blind vor Wut, fast taub in meinem Zorn blieb mir letztlich nur die Sprachlosigkeit ... legte mich also dann müde auf die kühlen Pflastersteine und schlief in einer Mischung aus Entrüstung und völliger Erschöpfung tief und fest ein. Dann träumte ich ... viel zu viele Alpträume, wirklich viel zu viele ... und ich sehe bis heute nicht den Sinn dahinter.

Freitag, 8. Mai 2026

PETER STEHT IM REGEN.



Nimmermüde fällt er ... nass und schwer ... der Regen ... gleichmäßig verteilt, kontinuierlich wie gnadenlos ... stets und ständig in diesen grauen Tagen. Peters Zigarette wird feucht und qualmt wie ein Schlot ... oder klammes Laub ... hängt schlaff nach unten. Er flucht leise vor sich hin ... spuckt seine schwere Aule quer über den speckig glänzenden Gehweg ... zieht beide müden Beine schwerfällig hinter sich her und sucht einen trockenen Unterschlupf. Bei einem blühenden Kastanienbaum tröpfelt es nur leicht ... Düfte steigen auf ... erdig und wie aus Rosen, Veilchen ... muntere Rinnsale schlängeln sich spielerisch um den kräftigen Stamm. Peter lehnt sich gegen ... stützt beide Hände auf seine zitternden Oberschenkel ... vornübergebeugt ... und reihert sich lauthals die Seele aus dem Leib. Erbricht aus einem einzigen Guss und nimmt seine aufkommenden Tränen als Zutat für dieses furchtbare Malheur. Keine Menschen weit und breit. Glück im Unglück. Schlieriger, dampfender Brei zwischen den triefenden Schuhen ... elendiges Würgen ... Bitterstoffe ... brennender Reiz ... Unbehagen ... Schmerzen in der Magengrube. Peters Handrücken fährt nervös über den aufgesperrten Mund ... wischt grob einmal drüber ... streift seitlich die hängende Hose. Und der Regen dringt boshaft durchs Laub ... aufdringlich sickert das Wasser durch das Blattwerk ... es macht jetzt keinen großen Unterschied mehr. Zwei Spatzen mit klebenden Federn verstummen ob der Schauer ... picken schließlich in der groben Kotze nach irgendeinem Vitamin. Peter glotzt mit weit geöffneten Augen vor sich hin ... beobachtet die Tiere und wie sich kleine Bäche zu einem winzigen Strom vereinen. In den Zwischenräumen eines langen Tages sammelt sich der Trübsinn und rasselt mit allem was er hat. Es marschieren die traurigen Gedanken zu den alten Erinnerungen ... eine militärische Parade in voller Montur ... stramm stehende Söldner des einbruchsicheren Schicksals. Die Atmung zerfällt in hastiges Keuchen ... der Lebensstress schlittert ungebremst durch die brüchige Zeit. Peter macht kräftig in die Hose.

Dienstag, 5. Mai 2026

WOHNSTADT-NORD.



Buggy’s ... wohin das Auge reicht! Dazu junge Muttis in äußerst eng anliegenden glänzenden Leggings, PALL MALL zwischen linkem Zeige- und Mittelfinger, Mobilfunk in der rechten Hand ... halb verschlafen und verträumt knabbern dazu die vielen, süßen Plagen an maschinell geformten Brötchen aus dem nahegelegenen Discounter. Unter den kleinen Köpfen wabert Zigarettenrauch - und außerdem fliegen einzelne, lapidare Wortfetzen aus hastig geschminkten Schmollmündern ihrer Mütter. Es ist Montag in der Frühe, gegen 8:30 Uhr - die Liebe hat das Leben verlassen und das Leben die Liebe. So scheint es für einen kurzen Augenblick bei meiner flüchtigen Beobachtung.

Mike ist Maler und seit sechs Uhr auf Baustelle, Pascal sitzt in der Straßenbahn zum Amt, Torsten schläft noch von seiner DHL-Schicht, Luke lernt Dachdecker und hat Berufsschule, Max hat sich für den Dienst an der Waffe entschieden und kommt erst nächsten Monat wieder auf Besuch ... insgesamt fünf Väter haben sich entweder vor oder kurz nach der Geburt ihrer Buggy-Insassen aus dem Staub gemacht ... “Solche Behinderten” ...

Der Sand auf dem Spielplatz ist noch ganz feucht von der kurzen Nacht. Die Kippen vom Sonntag-Nachmittag werden heute gegen 9:00 Uhr die Jungs von der Stadtreinigung wegharken ... aus den Abfallbehältern stinkt es nach Steak-Soße und angetrocknetem Vanilleeis ... niemand hier registriert seine unmittelbare Umwelt - denn derart emotional sind jetzt die Gespräche geworden. Lukas und Damian, die Zwillinge in dem schwarzen Doppelsitzer bäumen sich bereits auf, begehren die Bewegung und das Spiel. Ganz langsam zieht die Sonne hinter dem linearen Geflecht des Sechsgeschossigen hervor, wie aus einem sicheren Versteck heraus und pflanzt schließlich ihr erbarmungsloses Licht in die beigefarbenen Gesichter der Frauen. Manchmal wirkt deren Rouge wie eine zweite, künstliche Haut und das wahre Gesicht bleibt dahinter verschlossen und fast unbeweglich. So präsentiert sich diese ganze Szenerie als stumpf, schroff, spröde ... so wird dieser Montag zu einem trostlosen Ausblick auf die mitunter gähnende Leere des Alltags. Die Lust auf alles gehört zu der Vergangenheit.

Freitag, 1. Mai 2026

GEBÜSCH-MANN. INTERVIEW.



Endlich scheint mir eine Geschichte wieder schräg genug, um darüber ein echtes Doppelkorn-Interview veranlassen zu können. Den "Gebüsch-Mann" entdeckte ich auf meiner kleinen Pendler-Strecke vom Fenster des Zuges aus. Etwas nördlich von Halle an der Saale, zwischen zwei Haltepunkten, hinterm NETTO-Supermarkt kroch ein seltsames Menschen-Kind zwischen wild wuchernden Knöterich herum. Entlang der Gleise wächst dieses Gestrüpp derart massiv und aggressiv - sowohl in die Breite als auch meterhoch in den Himmel ... je nachdem, welches Geäst sich zum entlanghangeln dafür bereit hält. Man könnte auch von einem echten Dschungel sprechen - undurchdringliches Wirrwarr, ein natürlicher Filz - blickdicht obendrein. In diesem Wust lebt tagein, tagaus der 54-jährige ehemalige Schlosser-Gehilfe Wolfram ...

Guten Morgen Wolfram, danke das du pünktlich zum Termin erschienen bist! Schade das wir das Interview nicht in deinem geheimnisvollen Versteck führen können ...

Moin. Es wurmt mich natürlich, das du meinen heimlichen Bau entdeckt hast. Bisher ist noch niemand dahinter gekommen, also behalte das bitte für dich ...

Selbstverständlich! Aber es gibt da einen Blickwinkel aus der S-Bahn heraus ... vor allem im Herbst und Winter sieht man etwas durch das Gestrüpp hindurch deine notdürftige Behausung. Wieso hast du dir es ausgerechnet dort eingerichtet zu leben?

Als Kinder haben wir uns auch schon ziemlich perfekte Buden gebaut. Das habe ich immer gern gemacht. Als ich vor zwei Jahren, im Sommer, obdachlos wurde, fing ich mit einer Heckenschere an ... Habe mir einfach eine Art Rundung ins Dickicht geschnitten. Ausgehöhlt quasi. Dazu alte Zeltplane gespannt und eine Matratze rein bugsiert. So begann mein Leben dort drinnen.

Wie verhält es sich dann mit Dauerregen oder anderen Wetterkapriolen? Das ist doch sicher kaum auszuhalten?

Die Natur hält stand. Im Sommer schafft es kaum mal ein Tropfen durch dieses gewachsene Dach. Und dann ist ja noch die Pläne drunter. Nur im Winter ist es mitunter etwas grenzwertig. Wenn gar nichts mehr geht, laufe ich zu NETTO rüber und halte mich dort stundenlang auf. Solange ich was im Wagen liegen habe und nichts klaue, müssen die meine Anwesenheit erdulden. Das hat sogar die Polizei denen mal so sagen müssen.

Thema Hygiene, Notdurft ...

Tja was soll ich dazu sagen? Die paar mal dusche ich für ein paar Euro im Hauptbahnhof. Notdurft geht direkt in die Landschaft über. An der Galgenberg-Schlucht gibt es genug Ecken ... und die Hunde machen da eh immer ihre Haufen. Da fallen meine Fäkalien kaum auf.

Nochmal für mein Verständnis: warum suchst du dir keine bessere Lösung? Es gibt ja doch auch andere klassische Zufluchtsorte?

Ganz einfach: dort habe ich meine absolute Ruhe vor Allem! Wie gesagt - Buden habe ich schon immer gemocht und ich habe diese perfekt gebaut. Kann dort liegen, schlafen, lesen und auch mal einen Brief schreiben. Ansonsten ziehe ich ja eh jeden Tag in der Weltgeschichte umher ... am liebsten bin ich am Hallmarkt und schau vom Händeldenkmal aus dem munteren Treiben zu. In meinem Hut landen täglich um die zwanzig Euro ... Sommer eher weniger, Winter etwas mehr. Am besten läuft es im Advent ... da gibt es immer “Weihnachtsgeld” - wie wir Penner zu sagen pflegen. Man spricht sich ab, nicht zu nah aneinander zu hocken. Größte Probleme bereiten uns die organisierten Bettler ... da wird uns teilweise gedroht!

Wird es für dich einmal ein anderes Leben geben? Du wirst nicht jünger ... noch klingt das alles abenteuerlustig ... Aber in deinem Kopf gibt es doch sicher einen Plan B?

Abenteuerlustig? So sollte es nicht klingen. Habe mich nur mit diesem Leben halbwegs arrangiert ... mehr nicht. Könnte ich das Rad nochmal zurück drehen, dann würde ich alles anders machen! Vor allem Kinder fehlen mir ... traurig das ich nie Vater geworden bin! Es ist furchtbar einsam manchmal. Sollen sie mich doch eines Tages aufgabeln und in so ein vollgepisstes Pflegeheim stecken ... Dann grabsche ich unbeholfen aus dem Bett heraus den Tanten an die Ärsche und nichts können die dagegen machen. Außer mich verabscheuen. An dem Punkt bin ich jetzt sowieso schon. Als Penner bist du nichts. Man dient nur als an natürliche Regung für Mitleid und achselzuckendes Bedauern. Das ist das Schlimmste überhaupt.

Klingt sehr verbittert und resigniert. Würdest du dir denn helfen lassen?

Niemals. Für alles was passiert ist bin ich selbst verantwortlich ... ich könnte mir sicher auch noch selbst helfen, will es aber im Moment nicht. Also tu mir einen Gefallen bitte, und verrate mein Versteck nicht. Irgendwo hinterm NETTO reicht. Muss jetzt weiter.

Danke für deine Offenheit, für diese Unterhaltung!

Wo steht denn das dann geschrieben? Zeitung?

Auf meinem Blog. Im Internet. Aber natürlich anonymisiert unter falschem Namen.

Internet! Damit kenne ich mich sowieso nicht aus. Vielleicht sieht man sich mal auf dem Markt. Bis dann!