GOLDSPUR DER GARBEN
Tschingis Aitmatow
Roman
109 Seiten
Eigentlich müsste ich nach dem Lesen dieses schmalen Büchleins heulen ... nicht weinen ... sondern ohne Hemmungen losheulen! Was hat sich Aitmatow nur dabei gedacht, einen solch tieftraurigen wie kummervollen Roman zu schreiben? Ganz ohne jeden Zweifel ist es für mich persönlich ein Anti-Kriegs-Buch.
Da ist auf der einen Seite das prall gefüllte Leben aus harter schwerer Arbeit, Aufbau, Plänen, Träumen, Kindern, Familie, Zukunft, Ideen, Fantasie, Liebe - bis das der unverhohlen aufspielende Krieg alles - ja wirklich alles in sich erstickt und zunichte macht. In diesem Buch und einer Zeit um den zweiten Weltkrieg herum. Und all das ist bis zum heutigen Tag im Jahr 2026 blank polierte wie gebliebene Realität ... in der Ukraine beispielsweise ... Sterben und sterben ... Hinterlassen und hinterlassen ... ungezählte Tränen, keinerlei erfüllte Hoffnungen ... kein Flehen und Betteln hilft, kein Zufall und kein Gott: Nein! Wirklich nicht! Und exakt diese klaffende Wunde bearbeitet Aitmatow auf seine menschliche Weise.
Wie viel Verlust, wie viel Traurigkeit und Leid vermag ein Mensch zu ertragen? Die alte Frau erzählt ihrem Feld davon und erhält auch Antworten. Ihr ganzes Leben breitet sie noch einmal vor ihm aus ... dem treuen Acker ... eine Art von Leben das so nur schwerlich ertragbar ist. Aitmatow unterlässt es dabei von vornherein, Gott eine Existenz einzuräumen ... gar von Gebeten oder nachfolgenden Wundern zu berichten. Es kann sie leider nicht geben - denn jede noch so kleine aufkeimende Hoffnung wird vom nächsten Peitschenhieb zerschlagen. So bleibt der lieben alten Frau nur ein einziges Überbleibsel ... ein Enkelkind ihrer über alles geliebten Schwiegertochter, welche bei einer dramatischen Geburt ihr Leben ließ. Vor ihr verlor die alte Frau bereits ihren Mann und alle drei Söhne an der Front.
Das Buch ist umhüllt von blanker Verzweiflung, tiefster Trauer und beschreibt alle Last die ein langes Leben durchaus auch bereit halten kann. Es ist schwer diesen Roman zu lesen und danach sich in einem Schlaf einzufinden. Aber dank Aitmatow besitzen die Zeilen ein sehr hohes Gut an Würde und ich bin dankbar es gelesen zu haben.

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