Montag, 5. Oktober 2026

DIE WEGE DES HERRN.



Der Konfirmanden-Unterricht begann wieder einmal zwanzig Minuten zu spät. Theologiestudent und Leiter der fröhlichen Runde, Markus, hatte sich mit der Zeit vermacht. Das gemeinsame Abendessen mit Knäckebrot, Edamer-Scheiben und Rote Beete-Aufstrich war immer ein schöner Opener für den langsam dahingehenden Tag. Alle schlürften Pfefferminztee aus Zwiebelmuster-Tassen. Nach einem kurzen Dankgebet verteilte Markus kleine gelbe Klebezettel für eine schöne Aufgabe. Die angehenden Konfirmanden, heute waren vier dabei, sollten den Satz „Die Wege des Herrn ...“ mit eigenen Gedanken zu Ende bringen. 10 Minuten Zeit. Der gerade erst dreizehn Jahre jung gewordene Steffen Saalkaff ergänzte mit folgenden Ideen:

Die Wege des Herrn sind ohne Beispiel.
Die Wege des Herrn sind nicht gekehrt.
Die Wege des Herrn sind alle vereist.
Die Wege des Herrn sind zugeparkt.
Die Wege des Herrn sind zugewachsen.
Die Wege des Herrn gehen allesamt bergauf.

Auf den Backenzähnen kauend malträtierte er den Bleistift und grübelte noch über ein paar coole oder gar provozierende Fortführungen ... schließlich konnte er den Theologiestudenten Markus auf den Tod nicht ab (die Unpünktlichkeit!). Dann schrieb er weitere Klebezettel voll:

Die Wege des Herrn sind nur ein TIKTOK-Meme.
Die Wege des Herrn enden in der Jauchegrube.
Die Wege des Herrn hat der Teufel untergraben.
Die Wege des Herrn führen ins Nichts.
Die Weges des Herrn enden in einer Migräne.
Die Wege des Herrn machen um Afrika einen Bogen.

Theologiestudent Markus reagierte (wie immer!) sanftmütig und bedacht. Steffen Saalkaff brachte das (auch wie immer!) zur Weißglut. Später am Abend wurde noch gewürfelt und gelacht.

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