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Montag, 3. November 2025

DER FEHLER.



Die vielen Fehler in einem einzigen Leben. Wie dunkle Perlen auf seidener Schnur schmiegen sie sich aneinander und klagen leise ihr bedauernswertes Lied. Peter wusste wovon er sprach. Er war so gesehen ein Perlentaucher und fischte sich ein Dilemma nach dem anderen. Manchen Menschen fällt das in den Schoß, als sei es eine von Gott verdammte Gabe. Für ihn änderte sich nichts. Die Konsequenzen waren ertragbar, die Strafen klar greifbar und alles miteinander auf furchtsame Weise gerecht. Die Männer in den schwarzen Roben, die Frauen mit dem erhobenen Zeigefinger: Sie alle kamen um ihn zu fangen und für einzelne Teile seines Lebens nicht mehr frei zu lassen.

Eine Zigarette nach der anderen inhalierte er zügig und intensiv in die verkleisterten Lungenflügel hinein und blies den übrigen Rauch mit weltmännischem Blick in die öde Botanik hinaus. Die verschwitzte Kappe lag lose auf dem faltigem Schädel, das Hemd nur zur Hälfte geknöpft, quoll krauses graues Haar von der stattlichen Brust. Die Welt hatte ihre gewohnte Ordnung und einige Tage würde das wohl auch noch so gut gehen. Das war schon immer seine Maxime ... die unbedarft lockere Einstellung zu den Hürden und Höhen des Lebens. Mit dem Zeigefinger schnippte er den aufgerauchten Stummel in Richtung Gas-Therme, eine gute Investition aus dem letzten Winter. Ein kleines Leck erwartete die funkelnde Glut.

Nein - ich kann mich nicht freuen. Es darf kein Mut aufkommen und schon gar keine Zuversicht. Sie verbat sich derartige Gefühle rigoros und schlug sich dabei gedanklich auf die blassen Finger. Seit ihr Mann vor knapp fünf Jahren gestorben war, gönnte sie sich kein Glück und erst recht keine Leichtigkeit. Das Leben erhielt damals einen bitteren Beigeschmack und kniete sich auf schmerzende Beine. Das Leben ergab nur noch dann einen Sinn, wenn sie den Tod mit Buße aufwog. Alles was recht war: aus dieser gräulichen Verbitterung heraus zog sie alles ins Misstrauen und gebot ihrer Umgebung demütige Furcht. Keine noch so schöne Blume konnte Freude spenden, kein aufmunterndes Wort zu Trost verhelfen - die Menschen drehten sich schließlich weg und überließen sie eines lebendigen Todes.

Sonntag, 19. Oktober 2025

DER KUSS.



Die erste flüchtige Berührung unserer Lippen war schon unangenehm. Der nachfolgend lange, schnalzende Kuss schmeckte nicht und die mit der Zunge um sich schlagende Frau war auch die Falsche. Ihre schlanken Arme klammerten meinen Rücken direkt im Hohlkreuz und ich war mit den Gedanken mitten auf der Flucht. Zwei volle Brüste pressten sich gegen mich, ihr Kiefer malmte wie eine Maschine die nach Öl bohrt. Schlaff und lustlos, zurückhaltend wie frei baumelte meine Zunge in ihrem Mund. Die Zeit wollte dabei nicht vergehen, wie eingefroren stampfte die Situation wütend auf der Stelle und ich besaß nicht den Mut sie zu enttäuschen.

Der Abend bestand aus Erinnerungen und Schnäpsen. Es wurde einiges geraucht und mit jeder Zigarette wurden aus Visionen gelallte Komplimente. Sie hatte Durst nach einem Mann. Mir war nach weiblicher Aufmerksamkeit und ich spielte mit ihren Annäherungsversuchen wie mit einem aufgezogenem Mobilee. Ihre Einladung schlug ich aus. Das ist Jahre her und die Margeriten blühen in einer Art und Weise das mir ganz warm ums Herz wird. Auf meinem Weg tanzen verspielte Schwalben und vertilgen in höchster Geschwindigkeit kleinste Insekten. Weit draußen auf dem goldig gelbem Feld tuckert zwischen wogenden Halmen ein Traktor älteren Modells. Der Staub des späten Abends bittet um Bedenkzeit für seine nächste Ruhestätte ... mir springt das Herz vor Glück gleich völlig entzwei.