Die alte Rinde schälte sich über Monate vom Kern des Baumes. Viele kleine und größere Einschläge am Stamm, künden von der Beharrlichkeit und nimmermüden Gier des Spechtes. Wenn sich ganz oben im toten Wipfel die starren leblosen Äste berühren, bewogen von einem aufdringlichem Wind, dann erinnern die entstehenden Geräusche an das gläserne Klirren von Väterchen Frost.
Mittwoch, 2. April 2025
LETZTE HAND.
Dienstag, 25. März 2025
Himmel und Erde.
Zwischen Himmel und Erde liegt das alte Leben und dauert weiterhin an. Selbstgespräche zementieren meinen etwas verrückt gewordenen Alltag. Gestern habe ich gleich vier Bücher von vier verschiedenen Autoren gelesen: Alexandre Dumas, John Fante, Gerhart Hauptmann und Thomas Strittmatter. Jesus Christus und Maria von Magdala! Jetzt stehe ich mir nun schon so nahe, dass ich das Brot mit mir selber teile! Schleudere mir eine mit der flachen ausgestreckten Hand! Es reicht.
Freitag, 21. März 2025
Überleben.
Es gab kaum Überlebende. Nur ekelhaft gierige Fliegen auf stinkender Körperflüssigkeit und eine gute Handvoll tiefenentspannter Maden. Alle Vorhänge, silbern glänzendes Tuch, waren fein säuberlich zu gezogen. Die Scharniere der neu eingebauten Fenster fest und luftdicht verschlossen. An den Wänden hingen Bilder. Bilder zeigen etwas von Bedeutung - wenigstens für den, der sie mit zielgerichtetem Hammer und einem schmalen Nagel angebracht hat. Darüber lässt sich abfällig die Nase rümpfen oder gedankenverloren in Kummer ausbrechen. Die Bilder sind immer auch ein Zustand der Seele, offenbaren Sehnsüchte, erinnern an bessere Tage, möchten etwas ausrufen oder sich präsentieren. Es waren jedenfalls sehr viele und mein Blick strich über die Oberflächen, erfasste alle möglichen Informationen, Inhalte und Botschaften. Sie waren ein allerletzter Ausdruck dessen, was man unter der Kategorie Lebendigkeit verorten konnte.
Mittwoch, 19. März 2025
0:12:56
Freitag, 7. März 2025
Seltene Erden.
Die alte Zeitung in meinen müden Händen legt ein Zeugnis ab. Meine Gedanken zu dem gerade Gelesenem falte ich sorgfältig zusammen und verstaue sie schließlich in den dunklen Kammern meines Gedächtnisses. Danach bin ich erst einmal sehr lange traurig und wohl auch etwas ratlos. Mit den Schultern fortwährend zuckend verlasse ich das Haus und trete in die feuchte kühle Märznacht. Rechts und links vom Gehweg flankiert mich die unsichtbare Mühsal und quetscht sich fordernd in meine bröckelnden Glieder. Eine angefahrene Stadttaube hebt und senkt ihren gebrochenen Flügel. In einer verwesenden Katze am Bordstein tummeln sich Maden. Ein Regen setzt sich in Gang und wischt sinnentleert den Dreck von links nach rechts. All das ergibt keinen Sinn. Da kommen die Gedanken wieder, Abwägungen und inneren Tiraden. Was für ein Durcheinander! Höchst selbst verpasse ich mir eine derbe Kopfnuss. Das schmerzt gleichermaßen auf dem Schädel und in den Fingern. Mir blieb mal wieder nichts anderes übrig.
Samstag, 1. März 2025
Hallo.
Mein Name ist Peter und meiner Meinung nach findet auch ein blindes Huhn einmal ein Korn. Denn ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen! Auf meinem Grabstein werde ich meinen Namen, mein Lieblingslied, mein Lieblingsessen, meine Hobbys, mein Lieblingsbuch und meine Freunde eingravieren lassen. Unter die Erde nehme ich eine Tasse mit. Für mich wird es ein Leben nach dem Tod geben und die Tasse werde ich in meinem zweiten Leben als Beweisstück parat halten. Solltet ihr also mal einen Hirsch mit einer Tasse im Geweih baumeln sehen ... Ist nur ein Spaß!
Betrachtet mal das bunte Bild. Ganz schön durcheinander gepinselt! Hätte ich das damals so meinem Kunstlehrer vorgelegt ... der hätte mich persönlich zur Schulpsychologin gebracht. Mit Uwe streite ich immer über Kunst. Uwe ist ein ehemaliger Arbeitskollege von mir. Er meint, dass Kunst rein egoistisch betrachtet werden muss. Jeder kocht aus dem Gesehenen seine eigene Gedankensuppe. Und niemand schaut dem Künstler ins Hirn. Uwe ist dumm! Er macht sich auch nichts aus Garnelen. Aller zwei Jahre least er sich ein anderes Auto ... wegen der Abwechslung und gegen die Langeweile.
Das obige Bild verrät mehr oder weniger. Je länger ich darauf schaue umso bunter wird es mir. Dann werde ich unruhig und vergesse die Zeit. Gestern sah ich in all dem Durcheinander unsere geliebte Erde wieder ... ja doch! Das könnte die Erde in abstrakter Form sein! Und je nach Stimmungslage des Betrachters empfiehlt sich Trauer oder Glück als Gefühl. Die Blautöne sehen sehr frisch aus, das erdige Braun in allen Facetten könnte auch geronnenes Blut sein. Blaues Wasser und der ganz große Aderlass ... Mir wird schon wieder schlecht. Manchmal fehlt mir Uwes Pragmatismus.
Tschüss!
Freitag, 21. Februar 2025
EINSAM IST DER MANN. 2
Das Spiegelbild dupliziert nur eine Ahnung des Verfalls ... immer wieder streifen die Blicke des eitlen Kerls die gegenüberliegende Seite ... skeptisch bis ungläubig. Aus den verwaschenen Tennissocken glotzen riesige Löcher ... verhornte Fersen reiben an ausgebeulten Einlagen. Immer und immer wieder Rückblick - Rückblick - Rückblick: Sentimentalitäten verstellen den Weg, nehmen die Sicht oder opfern jegliche Form von Zuversicht. Der alte Mann badet sich in seinen Einlassungen, suhlt und windet seinen schwach gewordenen Körper in einer Flut aus Erinnerungen. Die Leere entsteht daraus wie von selbst. Wie wichtig er sich nimmt! Der Mittelpunkt des Universums entsteht schließlich aus seinem eigenen Zentrum der Frechheit. Garstig und verbissen, gallig wie verbohrt ... alte einsame Männer drehen das Schnapsglas zwischen Daumen und Mittelfinger und verdrücken sich eine einzige Träne der Unschuld.
Sonntag, 9. Februar 2025
EINSAM IST DER MANN.
Mit zusammengekniffenen Augen schielt der einsame Mann in den grellen Vollmond, inhaliert gekonnt den Rauch der starken Zigarette und denkt daran wie schön es einmal war. Gemurmelte Selbstgespräche taumeln aus einem leicht geöffneten Mund, Nuscheln und Verfluchen, dezente Hinweise an sich selbst oder den gesamten Rest der Welt. Eine funkelnde Decke voller Sterne erobert sich die Nacht. Quälend kriecht die Stille durch den Geist und sieht sich stumm das wirre Gut der Gedanken an. Wunderlicher alter Mann! Eitel bis in Zehenspitzen und die aller letzte Kastanie am Baum! Das Gefühl ist wie ein warmer Schlafsack. Es bleibt ab diesem Augenblick.
Samstag, 25. Januar 2025
VON MIR AUS.
Hol dir diese hohen Schuhe und gönn dir den Nachmittag mit deiner besten Freundin. Nimm noch etwas Salz und dreh die Heizung vor dem Essen auf die Drei. Wir können gern nach Wien fahren und gemeinsam über alles staunen. Nimm dir was du benötigst. Geh wohin du willst. Spare wo du kannst. Kündige wenn es sein muss. Lass alles stehen und liegen. Mir soll es recht sein. Vergib auch deinen Schuldnern. Iss ruhig weiter. Pass auf dich auf. Nimm dich in acht. Du hast in allem was du sagst natürlich recht. Mach nur weiter so. Gehe bei grün. Lass dich von mir nicht stören. Es ist recht so. So kommst du weiter. Du machst alles richtig. Du hast immer gute Ideen. So kann man das stehen lassen. Das ist sehr ordentlich. Es ist wie es ist. Buche deine Traumreise. Diese Diät ist wie für dich gemacht. Das Kleid steht dir. Dein Essen schmeckt. Dein Wille geschehe. Wie im Himmel so auf Erden.
Freitag, 6. Dezember 2024
ALLES BLEIBT ZURÜCK
Vor gar nicht allzu langer Zeit schoss es mir durch meinen wirren Kopf: Die Geburt und Jesus ... jede noch so großartige Geschichte, der erste Kuss mit Zunge, zugeschlagene Bücher, ausgetretene Schuhe, Zeugnisse wie Urkunden, der letzte und auch der nächste Herbst, vereinzelte Tränen, Verbitterung, Völlegefühl, schönste Träumereien, ein Versagen, das Verbrechen, alle Schwüre, Ansagen, Verträge - vergänglich! Die ausgetretenen Pfade eines kleinen Lebens, die Wülste von ungezählten Narben, Hall der Rufe, Schreie und Gebete, jedes kluge Wort oder eine wirklich grandiose Lüge - vergebene Mühe! Da stehen nun alle Jahre nur als Einheit für des Vergessen. Sicherlich ... die Fäulnis braucht ihre Zeit. Aber letzten Endes wird nichts bleiben. Vielleicht der aller letzte Trost für eine völlig verunsicherte Welt. Der Rabe nimmt sich der Toten an.
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... ließ eine rundliche ALKA SELTZER in den frisch gebrühten Italo-Espresso plumpsen und rührte mit dem kleinen verhorntem Finger in der rab...
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Wenn die Technik veraltet, wenn der Baum sich schüttelt und sein Blätterwerk abgibt, wenn der Bart ins Graue übergeht, wenn das alte Haus in...
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Natürlich hat der liebe gute Peter seine schneeweiße Davidoff-Gold bis zum äußersten Rand des Filteransatzes tief in sich hinein gesogen - u...









