Posts mit dem Label Chaos werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chaos werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 2. Dezember 2025

SALAMI



Salamischeibe, etwa zwei zarte Millimeter flach und nahezu perfekt rundlich mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern. Der kleine Junge hasste sie und schob das Scheibchen sogleich vom halben Brötchen ... zunächst im freien Fall, flatschte sie schließlich fast lautlos auf den gebohnerten Boden von Abteil 8 in Wagen 5 des D-Zuges 1604 aus Jüterbog kommend.

Der Teufel hat schrecklichen Mundgeruch und liegt im Detail. In der Hitze des Tages gibt die Salami ihr Fett ab, wölbt sich mühsam und langt nach dem Staub der späten Stunde. Weiße Sneakers schieben das kleine Lebensmittel bis ganz nach hinten unter den befleckten Sitz. Die Wagenzüge leeren sich und eine viel zu kurze Nacht zwingt den Berg aus Eisen und Plastik zu einem flachen Schlaf.

Aus Schwein gemacht, zerkleinert von großer zäher Masse sowie verdünnt mit allerlei Ungesundem, fristet ein Bruchteil davon sein kümmerliches und von allen guten Geistern verlassenes Dasein. Nach Tagen in hinterster Ecke vergilbt die Zeit wie ein verworfenes Buch. Hin und wieder stochert ein nasser Schrubber vorbei, erwischt ein Ende und verschiebt leicht den angestammten Standort. So wie im wahren Leben verdorrt die Kraft und die Bewegungen werden langsamer.

Der D-Zug 1604 aus Jüterbog kommend, entglitt seinem Zugführer während einer rasanten Fahrt ... steiles Gefälle ... versagende Hydraulik ... so schoss der tonnenschwere Stahl über sein anvisiertes Ziel hinaus und zerbrach die Schwärze der Nacht mit seinem feurigen Schlag der Funken. Die Welt zerbarst um die Salamischeibe herum - in tausend Stücke wie feiner Bruch und mit zerstörerischer Wucht. Mutter Zufall und Vater Schicksal sorgten für ein furchtbares Chaos - ihre verdorbenen Kinder tanzten dazu einen bösartigen Reigen und kicherten dazu unablässig hämisch über die Vielzahl ihrer Opfer.

Salami ist so eine Sache.
Im Leben geht es immer um die Wurst.

Samstag, 30. August 2025

RÄTSEL.



Zwei ohne echtes Leben, Herbstzement im Desaster der fallenden Balken - strukturierter Himmel wechselt Neongelb mit schlagenden Tönen aus seltenen Stoffen. Zwei degradierte Tage schleppen sich runden Treppen entgegen, mehr oder weniger falsch verbunden wie silberne Spieße in Herzen aus geliertem Saft. Alles giert mit wedelnden Scheinen nach High-End, High-Fi, High-Level, High-Tech ... alle und alles high und vollkommen daneben auf dem schmalen Rücken vom Rest der Welt. Wenn man nur einmal lebt, dann bitte nicht nackt durch Nesseln und Dornen! Wenig gewendet, kaum gedreht, selten aufmerksam und immer wieder auferstanden von den Toten. An einem Baum tummeln sich die hölzernen Kreuze von jungen Menschen - zu langsam für das Werden. Omelette, sechs Schnäpse, alle Karten auf den Tisch - nicht mehr wegzudenkender Alltag in der Einöde aus musikalisch untermalter Zeit. Borsten erheben sich aus der Gänsehaut, Vergesslichkeit wichst sich eins auf die Zukunft ... beide Schultern rhythmisch zuckend in Anbetracht von Boom und einmaligen Orgasmen. Was weiß denn ausgerechnet ich von der Schadhaftigkeit euer aller Gedanken? Meine Fragen sind nur ein verkommenes Alibi. Im Saal der Anklage sitzen Abertausende mit ausgekehrten Gesichtern. Das Gefühl von Ohnmacht lässt niemanden mehr los, Bedeutungen sind kalter Kaffee den niemand mehr trinken möchte.


Wenn der Regen vom Himmel gefallen ist, die Leere sich alles noch einmal bedenklich gähnend durch den Kopf gehen lässt, das Wirrwarr einer Löschung entgeht - dann kommt ein Chaos durch die Wände und verschiebt alles Logische in die jeweils andere Form von Klarheit. Der Stumpfsinn radiert sich durch die Farben, verbunden mit Dummheit und in hässlicher Maskerade. Angst und Bange wird es da dem einen oder anderen, finster decken sich die schwarzen Laken auf eine aller letzte Hoffnung. Schwerfällig, nur zögerlich und immer wieder zaudernd kommt das Gute durch. Ein uraltes Sprichwort besprach den Lauf der weltlichen Dinge wie folgt: Zum Teufel rennen die Menschen ... zu Gott hinken sie. Der Schmutz unterm Gebälk des Schädels ist ohne jegliche Scham. Ein gutes Herz möchte sich vergraben und seine Ruhe in der Einsamkeit finden. Die Eremiten in den tiefen Wäldern werden mehr und mehr, spalten das Holz für wärmende Feuer und den Lichtblick in einer fast schon stählernen Stille. Und so geht dahin ... kümmert euch nicht um die Schmerzen der Welt! Gebückt und unter Qualen kriecht die Eitelkeit zu ihrem Spiegelbild - sprengt das Glas in tausende Scherben.