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Samstag, 25. Juli 2026

ON OFF.



Schreckliches trug sich zu ... in meinen wirren Träumen innerhalb nur einer einzigen Nacht! Dabei strich mich der übel riechende Kalter-Keller-Atem meines armseligen Stiefvaters, der mit den immer kalten blauen Fingern und dem verzweifelten Stottern beim Erklären des kleinen Einmaleins. Kurz darauf zerbrachen mir fast alle Zähne in meinem Mund ... zerfielen zu harten Krümeln, bröselig und scharfkantig hatte ich plötzlich nur noch lauter Einzelteile in meinem röchelnden Mund. Plötzlich schwenkten drei riesige mit Milch gefüllte Brüste auf mich zu ... baumelten schwer über mir aus und fielen schließlich als heiße Masse auf meinen Kopf - und ich drohte wirklich daran zu ersticken. Peter meinte dazu, man dürfe nicht über seine schlechten Träume sprechen - sie würden sich sonst immer weiter verschärfend wiederholen und ich käme dann nie wieder raus der Nummer. Peter kennt sich darin aus. Seine irrsinnigen Träume hängen noch spät am Tag in ausladenden Tränensäcken unter feuchten Augen. Sie machen es sich seit je her darin bequem.

Die agilen Grashüpfer und Heuschrecken, die Grillen wie auch Mücken terrorisieren mich ... hinterm Haus am trockenen Hang mit den toten Halmen. Die Dürre scheint ihnen ein Fest und ihre sogenannte Musik präsentiert sich wie das Piepen aus eintausend Gabelstaplern im Rückwärtsgang. Peter nimmt eine Schrotflinte zur Hand - dreißiger Streuung, heftiger Rückstoß und ballert damit ins gelackte Schwarz dieser aufreizend provokanten Sommernacht. Der Schuss geht sprichwörtlich nach hinten los ... nur noch aufgeregter tiriliert das Volk der Insekten und höhnt lauthals über die ewige Einfalt der scheinbar überlegenen Menschen. Peter kratzt sich mit dem langen Lauf der Knarre den üppig behaarten Rücken. Nicht ganz ungefährlich scheint mir das ... aber mein treuer Freund mimt gerade mal wieder einen gut kopierten Hemingway-Verschnitt. Ist noch Schnaps im Kühlschrank?

Träume sind kleine Katastrophen. Wie nach einem furchtbarem Kinobesuch entrinnt man ihnen jedoch immer. Was bleibt, ist der Schlag großer Glocken direkt unter der Schädeldecke ... das große Grübeln beginnt, die Sinnfragen reiben sich gegenseitig zu einem kleinen Feuerchen und ergeben am Ende doch nur etwas abgekühlte Asche. Meine Blicke suchen den Himmel ab. Große Sehnsucht, ja schier unendliche Sehnsucht befällt mich ... nach Mutters Händen und den liebevollen Aufmunterungen. Als Kind fuhr sie mir durchs schweißgebadete Haupthaar, teilte den Scheitel, kringelte mit dem Zeigefinger kleine Löckchen und landete mit einem Kuss auf meiner heißen Stirn. Der boshafte Traum war aus und alles löste sich in kindlichem Ur-Vertrauen auf - was für ein großartiges Gefühl! Ein Kick! Ein Wohlgefallen! Peter schickt noch eine ordentliche Salve in Richtung Nichts.

Freitag, 10. Juli 2026

DADDY DIED



Der Song hat eine fast schon überirdische Intensität, tiefgreifende Ästhetik sowie ernsthafte Glaubwürdigkeit - und bedient mit dem exzellentem Mienenspiel der Vortragenden die Förderung einer maximalen Gänsehaut. In der unendlich weiten Welt von Songs und dazugehörigen Videos, kann einem schonmal das Gehirn überkochen - in diesem Fall erlebt der Hörer und Beobachter jedoch schlichte Genialität ohne einen Hauch von Pathos. Und so verkündet der Gott des Doppelkornes die Adresse um seiner werten Leserschaft dieses kleine Wunder nicht länger vorzuenthalten (Eingabe in den dafür vorgesehenen Video-Kanälen):

Interpretin: EARTHSIGNCHELS

Song: DADDY DIED (unbedingt die Version A COLORS SHOW - die Originalfassung lenkt mit zu vielen Szenen etwas ab und besitzt nicht ganz die Kraft für das wunderbare Lied)

Samstag, 28. Februar 2026

MUSIKALISCHER FUND.



Seltsame Funde - nicht weniger faszinierend und überraschend für den Beobachter. Zu den rhythmischen Sounds der Achtziger haucht ein geschmeidiger Mann in unvorteilhafter Optik geradezu liebevoll seine Texte ins Mikrofon. Ein Freak? Donny Benét ist irgendwie niedlich schon beim zweiten Hören und Sehen! Zunächst begleitet er den Genießer nostalgischer Musik auf eine schillernde Reise im Rückwärtsgang ... sanft, tanzbar, gleitend, weich gezeichnet und vollgepackt mit Erinnerungen. Nicht wirklich neu erfunden und dennoch lange genug her, um es romantisch verklären zu dürfen. Schließlich er selbst - ein optischer Mix aus dem netten Zuhälter von nebenan, Liebling aller Schwiegermütter und erfolgloser Vertreter von Rasur-Schäumen. Drollig, putzig, lustig und anziehend kultig. Mit dem möchte ich wirklich mal gern um die Häuser ziehen!

Mit etwas Recherche und leicht gesteigertem Aufwand habe ich mir eines seiner schwer erreichbaren Alben gegönnt. Beim Hören knabbere ich an bunten Speckseilen, wippe vorsichtig mit dem Kopf und tappe den rechten Fuß auf dem verstaubten Teppichboden. Der Mann aus Australien traut sich was! Die Videoproduktionen sind geradezu berstend vor Ironie - und trotzdem nimmt man ihm die Leidenschaft für seine Melodien ab. Gut macht er das! Vorbildliche Reproduktion einer musikalischen Epoche - das wird die Note 1 und außerdem ist er eine Runde weiter. Ob es für das ganze große Finale langt? Wohl nicht. Der Zeitgeist frisst die besten Ideen wie versalzene Cracker. Aber mein Freund und Bruder - das ist Donny Benét geworden - in meine zwei Herzen hat er sich gespielt!

//Wer neugierig genug ist//Youtube//Donny Benét//Name eingeben//Freuen!


Samstag, 17. Januar 2026

JAZZ! ALTER MANN!



THE OSCAR PETERSON TRIO macht Jazz alter Mann! Aufreizend vulgär sinkt die Nadel ins Gerillte und beginnt mit dem „Night Train“ von Duke Ellington. Locker flockig und leicht klimpert das Piano in die schwüle warme Nacht hinein. Vereinzelte Junikäfer wummern immer wieder an die erleuchteten Fenster meines Arbeitszimmers, erbeten damit Einlass in irgendeinen vermuteten Zustand des Glücks. Der schlanke Hals eines Supermarkt-Bieres biedert sich an und erzwingt schließlich ein leichtes Rauschen in der Hitze des Gefechtes. Zärtlich streichelt das kurz gehaltene „Georgia on my mind“ über meine aufrecht stehenden Rückenhaare, der Wolf wird heute keine Lämmer mehr reißen - es kann alles so schön unwirklich sein.

Jazz alter Mann, so alt und ehrlich wie der graue Bart in meinem müden Gesicht. Die Anziehungskraft der Erde nimmt täglich zu. Rapider Verfall mit deutlichen Spuren. Krise an Krise verfängt sich in einem unsortiertem Kopf - die Musik heizt diesen chaotischen Zustand nur noch zusätzlich an. Während der Film für jeden sichtbar gerissen scheint, marschiert der „Moten Swing“ unsensibel durch die leeren Säle des sinkenden Schiffes. Wie herrlich pathetisch und trübe! Was für ein Durcheinander! Jetzt kann ich hier im Moment nichts mehr für sie tun, bitte konkretisieren sie ihre Absichten und gehen fürs erste ihrer zahlreichen Wege. Jetzt habe ich geschlossen. Die Musik braucht mich.

Jazz alter Mann, lässt sich nicht auf leichte Schulter nehmen. Da ich nur die Hälfte von alledem verstehe, muss ich nun gut zuhören und mir alles merken. Jedes Gefühl benötigt seinen ganz eigenen Ort der Geborgenheit. Das kann wie bei „The Honeydripper“ durchaus zur Tortur werden. Mein Kopf rüttelt die 2:25 Minuten im Vollrausch durch. Gut gemacht Joe Liggins Jr., guter Junge, frohgemut und optimistisch mitten hinein in die Atemlosigkeit. Die Töne schwollen wie heiß gewordene Narben und erzählen in einer Tour von verträumten Sehnsüchten. Der kleine zarte Mensch mutiert zu erschreckender Größe, versteckt sich plötzlich hinter viel zu klein gewordenen Bäumen und beginnt sich selbst zu suchen. Oscar Peterson am Piano, Ray Brown am Bass und Ed Thigpen an den Drums.

Jazz alter Mann, du weißt was ich meine ... trinken wir alles zur Neige, alles was sich noch im Hause finden lässt. Still hocken wir nebeneinander her, wippen mit den Köpfen zu einem formidablen „Band call“ und lassen uns ordentlich gehen. Könnte diese Nacht vielleicht nur ein einziges mal kein Ende finden? Die Sonne würde gerade jetzt stören. Mit dem Licht begibt sich die Realität immer auf die Suche nach dem schlechten Gewissen. Das ist hier und heute einmal außer Kraft gesetzt und damit geht es dem geneigtem Zuhörer auf eine furchtbare Weise zu gut. Lassen wir „Hymn To Freedom“ also auf uns wirken und selig die Flaschen kreisen. So jung kommen wir uns in diesem Leben nie wieder so nah. Das warme Raunzen der Langspielplatte mischt sich auf eine durchaus gütige Weise in unseren Alltag ein.

Jazz alter Mann, das sind auch 2:49 Minuten „Volare“! Peter tritt die Fülle der leeren Flaschen einmal quer durch den muffigen Raum. Wir wissen uns nicht zu helfen, sind immer Kleinkinder geblieben, mit wichtigtuerischen Gesichtern und gegerbten Erfahrungen. Lass uns diesen Abend den Anschluss verlieren, alle Züge und Boote, Busse und Flieger, Taxis wie Bahnen greifen uns nicht mehr auf. Wir verharren in unserer seltsam anmutenden Starre und versuchen uns mehr und mehr am Gleichgewicht. Der unausweichliche Streit um die nächste Platte mündet in LITTLE STEVIE WONDER und „I call it pretty music but the old people call it the blues“. Peter spricht spontan Lobhudeleien aus, ganz so, als hätte er den Musiker auf eigene Faust gerade erst entdeckt. Das finde ich unangemessen und peinlich.

Jazz alter Mann, ist das aber nicht mehr! Hier singt und klatscht ein 12 jähriger blinder Junge angenehm frühreif zu herrlich pubertären Songs wie „Don‘t You Know“. Wir schlagen uns begeistert die Hände vors Gesicht und feiern unsere rötlichen Wangen! Wie geil! Hier will keiner mehr nachgeben. Im Kühlschrank holen sich die restlichen Flaschen keinen Schnupfen mehr. Lied um Lied wird verklärt und in den Himmel erhoben. Das leisten wir uns - pfeifen auf das Gekicher all jener, die uns einfach nicht verstehen mögen. Junge Anarchisten in alten Vasen oder so ähnlich. Das System machen wir uns zu nutze und schon funktioniert Ideologie auf steinigen Wegen. Stevie Wonder, du alte Rakete und Botschafter der Liebe! Wir trinken auf den Jazz und deine Jugend! Aus allem hast du das Beste gemacht: „Hallelujah I Love Her So“!

Uns wird schwarz vor Augen.

Sonntag, 22. Juni 2025

HIT!



 „Im Dunstkreis der Liebe glimmt die Glut der Leidenschaft. An einem weißen Strand im Lichtermeer haben wir verstanden. Dein erster Kuss brannte auf ganzer Fläche und in meinem Herzen gebar ich das große Glück!“

Peter schielte erwartungsfroh zu mir rüber, nickte aufmunternd mit dem Kopf, hob auch fragend seine Schultern und ersehnte sich wohl ausschließliches Lob. Seine kleinen grünen Äugelein leuchteten und überstrahlten schließlich meine anfängliche Skepsis. Er stand hinter jeder einzelnen Zeile und der Song würde gerade deshalb wie eine Granate einschlagen! Peter meinte diesen Schlager tatsächlich ernst, verkörperte und lebte ihn - das Publikum konnte sich an diesem Brei aus Süßlichem nur satt hören. Die Musik lieferte übrigens der gewiefte wie populäre Produzent Jürgen-Steffen Liebold aus Thüringen ... sanft rieselnde Popmusik aus dem „Tonstudio-Zur Schranke“ in Gera.

„Wir schlossen unsere Augen und sahen lauter schöne Engel. Amors spitze Pfeile pfiffen durch die müden Winde. Du und ich, mein Puls trifft deinen Puls - die echte Liebe fängt jetzt an und versucht sich an der Ewigkeit.“

Peter nahm den goldenen Cognac und schenkte sich schwer einen nach. Mein schäumendes Lob hob ihn an, wie ein schweres Schiff auf türmenden Wellen. Er sah sich im Fernsehgarten, hörte bereits die herzliche Anmoderation und den stürmischen Applaus. Er würde schüchtern aber freundlich winken, die Damen anblinzeln und beide Fäuste zu einer leidenschaftlichen Geste ballen. Das Rad musste keiner mehr neu erfinden. Die Welt der säuselnden Worte würde so funktionieren wie immer. Meine absolute Zuversicht hatte er jedenfalls. Ihn konnte meine Zustimmung nur noch weiter in den Erfolg hineindrücken.

„Diese Nacht sollte es passieren, diese Nacht da waren wir bereit. Nebeneinander miteinander, verschlungen im Dickicht der Lust, aufeinander, untereinander, drunter und drüber bis die Sonne alles erlischt.“

Musik liegt in der Luft und mein Freund Peter hatte die wild gewordenen Triebwerke sehr gut für die Reise vorbereitet. Das Lied würde mit dieser schwülstig komponierten Musik - vor allem aber wegen des mitreißenden Textes sein Ziel nicht verfehlen. Wir hatten jetzt beide die halb geleerte Cognac-Flasche fest in der Mangel und eine Vielzahl an Farben drehte sich vor unserem Angesicht. Schwindlig vor Begeisterung mussten der Peter, und schließlich auch ich, schallend lachen und immer wieder aufs neue die schmierigen Zeilen intonieren. Am frühen Morgen hörten wir dann noch in Peters Metal-Scheiben rein ... KREATOR, NAPALM DEATH, SOULFLY und der ganze andere harte Bumms!

Samstag, 24. Mai 2025

FREITAGABENDE.



Freitagabende sind im klassischen Sinn großartige Befreiungsschläge. Es regnet duftende Rosen. In der Pfanne brät etwas vor sich hin. Ein altes und immer wieder gern getragenes Shirt kleidet mich wie ein lieb gewonnener Freund. Der Endverstärker läuft bereits warm, aus den schweren Boxen ist schon gutmütiges warmes Gebrumme zu vernehmen. Gleich gibt es Musik! Da kratze ich mir doch das narbige Kinn und sehe in den Spiegel: Mutation zum Künstler und Genießer - kurz vor dem Abschluss. Peter wird noch rumkommen, Alt 68er und friedlicher Gelegenheitstrinker. Im Doppelkorn schwimmt das Große und Ganze. Peter hört sich immer alles an, findet jedes Lied gut. Ein kleiner Stapel Musikkassetten und CDs, dazu hübsches Vinyl für den Plattenteller - liegt bereit - kommet und höret wie freundlich der Herr ist! Freitagabends küssen coole Monde die wartende Sonne - der kirre Moment sitzt in einem goldenen Cockpit und macht sich auf den Weg zu den Sternen.