Sich äußerst ausgiebig die üppigen Brusthaare kraulend, meinte Peter wie aus dem Nichts: „Seit wir fliegen können, stürzen wir auch ab." Na das hat mich aber überrascht! Vorsichtig saugte ich an der feuchten Öffnung der Spirituose und schielte etwas verunsichert blinzelnd zu ihm rüber. War das sein Ernst? Peter nun wieder. Er haut ja immer mal was Nachdenkliches raus ... tieferer Sinn und so. Witziger Bursche. Weiter: „Der Mensch bezahlt für alles. Stell Dir mal vor, ich würde etwas Brauchbares erfinden und das dann irgendwelchen Experten vorstellen. Alles wäre perfekt, zielführend, bahnbrechend und so weiter. Aber der Haken an der Neuerung wäre, dass immer mal wieder Leute drauf gehen würden ... so als würdest du eine Brotschneidemaschine auf den Markt bringen, an der sich jeder Zwanzigste eine tödliche Verletzung zuziehen könnte. Fällt dann durch die Prüfung - oder?“ Peterchen, Peterchen dachte ich bei mir. Wir sollten nochmal jeder die warm gewordene Spirituose von Hand zu Hand gehen lassen. Die Gedanken sind dann einmal von der Leine gelassen und wir streiten die halbe Nacht. Unterm Strich steht für uns das Streben des Menschen nach der absoluten Vervollkommnung. Und dafür nimmt er leider auch immer Tote in Kauf. Peter wollte einzig und allein darauf hinaus. Nur die Brotschneidemaschine dürfte als Instrument eines unglücklichen Unfalls mit tödlichem Ausgang sehr selten im Frage kommen. Es bedarf einer gewissen Fantasie. Jedenfalls ist die letzte Pulle jetzt getrunken und der Entschluss felsenfest: Niemals werden wir fliegen!
Donnerstag, 26. Juni 2025
Dienstag, 24. Juni 2025
Der Mann von der Bank.
Der Mann auf der Bank ... er schläft tief und fest ... während die Sonne aufzugehen versucht ... und am Haydn-Platz die Tauben furzen. Unbeachtete Brotkrumen ... verwilderte Blumenbeete ... Erbrochenes auf verlegtem Gestein ... eine verlassene Sandgrube ... Klettergeste aus kühlem Aluminium ... zwei Feuerkäfer ... Zigarettenstummel ... stinkende Mülleimer ... und überhaupt alles schrecklich leer und einsam wie die fehlende Idee eines ratlosen Künstlers. Der Morgen bricht heran ... lässt Gebläse aufheulen ... Fenster knallen ... Autos ausbremsen ... Menschen in hastige Schritte verfallen ... den Mann auf der Bank langsam munter werden. Eine Schiebetür knallt zu ... vor der Praxis starren Menschen ins Leere ... jemand kehrt den sauberen Gehweg ... die Uhr zeigt 08:30 ... billiges Parfüm quetscht sich ungebeten in die Mitte des Moments. Unter dem Baum liegen kleinere Äpfel ... am Spielplatz pappen Aufkleber ... eine unverständliche Parole kreischt aus einer zitronengelben Fassade ... Pappeln und Linden versuchen sich an leichtem Rascheln ... junge Männer zögern nicht beim Beschleunigen ihrer sportlich untermauerten Wagen. Es sind Tauben die da stöhnen ... der Mann öffnet sich mit schwieligen Händen einen sauberen Korn ... stumm lehnen weiße Skulpturen an einem trockenen Brunnen ... Die Banalität des Augenblickes ist von grober Körnung und der Mann von der Bank schleicht sich jetzt betont unauffällig davon. In seinem ranzigem Beutel klirren leere Flaschen, schmutzige Füße stecken eher wie zufällig in sehr alten ausgetreten Sandaletten und sein Gang ist dementsprechend eher zufällig im Gleichgewicht. Auf Wiedersehen mein kleiner armer Trinker, einsamer Seemann auf einem viel zu groß geratenem Meer! Die Ufer liegen in Reichweite, leicht verschwommen, etwas verwackelt und farblos. Mach es gut Kapitän, pack die letzten Sinne in deine ausgebeulten Taschen und träum dich ein letztes mal in die Geborgenheit eines warmen weichen Mutterleibes!
Sonntag, 22. Juni 2025
HIT!
„Im Dunstkreis der Liebe glimmt die Glut der Leidenschaft. An einem weißen Strand im Lichtermeer haben wir verstanden. Dein erster Kuss brannte auf ganzer Fläche und in meinem Herzen gebar ich das große Glück!“
Freitag, 20. Juni 2025
A-Z
Tagebuch eines Verrückten/Schlafversuche mit dem Alphabet
Donnerstag, 19. Juni 2025
REZEPT.
Amberdepp & Johnnyheard
Sonntag, 15. Juni 2025
ZU BERLIN!
Der Wind nimmt sich selbstherrlich aus den Segeln und schwächt seinen Eindruck indem er lapidar vor sich hin faucht. Ein alter Seemann zählt die tätowierten Striche seiner verschwendeten Weiber von Rotterdam bis Kalkutta - nur noch schlaff baumelt einstiger Prunk zwischen den lahmen Schenkeln. Die Planken morsch, das Steuerrad gebrochen, Bullaugen blind und in der Koje keine Restwärme mehr. Vom Leben bleibt nichts als trübe Gedanken und Schmerzen am ganzen Körper. Der Schnaps hängt in den Mundwinkeln wie die Traurigkeit in seinen Tränensäcken. Das kommt nicht vom Kummer. Es ist die Vergangenheit und der leere Blick ins Nichts. Offenen Auges in die Nässe der Schwermut. Auf seinem geducktem Haupt streifen vereinzelt Haare herum. Salz und Sand klemmt in den gebogenen Falten der Haut. Eine einzelne Schuppe klebt wie zufällig unter der Nase und glänzt eitel der Sonne entgegen.
Mittwoch, 11. Juni 2025
TOT.
Erst einmal stelle ich mich einfach tot. Still und starr ruht der See. Das Eis hält dem Druck einigermaßen stand. Fürs erste bin ich in Sicherheit. So nehmen die Dinge ihren üblichen Verlauf. Mir fällt einfach nichts mehr ein. Lustlos und schlaff die Körperhaltung, leerer Blick, kraftloser Herzschlag und so weiter und so fort. Der Arzt meinte vorgestern: „Sie müssen sich finden! Lassen sie sich dabei aber alle Zeit der Welt, manche Suche erfordert außergewöhnliche Funde - und die gibt es nicht im Überfluss!“ Diesen Satz habe ich nicht verstanden - aber wissend und belehrt dazu genickt. Jeder gut gemeinte Ratschlag pinselt zunächst meine Egozentrik mit einer verdünnten Lasur. Vielleicht hält der Anstrich?
Samstag, 7. Juni 2025
SCHWERE SEE
Und schließlich umfasste meine Hand den dornigen Zweig und ballte damit eine gewaltige Faust. Umverteilung des Schmerzes, rein intuitiv wie auch vorausschauend. Die kommende Woche hielt Lähmungen parat, Starre, Steifheit sowie Verrenkungen ohne einen erkennbaren Sinn. Die Abläufe der wellenartigen Schläge könnten allmählich für Irritationen sorgen. Es gibt auch keinen Plan C oder Y. Das gesamte Alphabet der Möglichkeiten ist komplett belegt. Wie durfte ich mir das also vorstellen? Frisch kochendes Wasser in mich hineinstürzen - andere Aussichten verbaut von Stahlbeton. Überhaupt: was lag mir in diesem Moment näher als der Fausthieb aus reiner Verzweiflung? Ein geladenes Gewehr war weit und breit nicht mehr aufzutreiben. Im Schrank hockte der nächste Schock: das sag ich nicht. In der zappligen Seele stießen sich die Automatismen gegenseitig auf vierspurige Straßen. Mitten im Fallen verzögerte ein tröstender Regen seine eigentlichen Absichten und zog sich erschrocken zurück. Dafür quollen aus der Erde lauter Knochen von all den längst vergessenen Menschenkindern. In meiner größten Not schüttete ich eine ganze Handvoll unförmiger Tabletten zwischen die aufgerissenen Lippen und begann an meiner eigenen Tragik zu kauen. Ein Engel mit dem Duft des Weißen Riesen und in der durchsichtigen Kluft einer Dirne - was sollte mit ihm sein? Verworfen die Sehnsucht nach dem Heiland. Jetzt kam es darauf an, wer als erstes dem Tod von der Schippe springt. Mein kleines dummes Herz zögerte ein ums andere Mal, zierte sich ziemlich sinnlos und gehorchte keiner inneren Stimme. Das Leiden ließ sich nicht ewig hinauszögern. In meiner allgemeinen Trauer aus lauter schwarzen schweren Vorhängen, klaffte ein riesiges Loch und ließ nach und nach immer mehr Licht ins Dunkel. Hoffnung machte sich gutmütig breit.
Mittwoch, 4. Juni 2025
YOU.
Du haderst mit all den Jahren. Du verzweifelst mit jedem Schritt. Du warst gestern schon wieder böse. Du stellst dich immer in den Mittelpunkt. Du genießt das Leben ohne es zu bemerken. Du verstellst dich andauernd. Du hast die ganze Nacht erbrochen. Du grüßt niemanden zurück. Du strauchelst durch den Tag. Du benimmst dich daneben. Du hetzt über andere. Du vergibst keinem seine Schuld. Du badest viel zu lange. Du trittst auf der Stelle. Du liest schlechte Nachrichten und isst dabei. Du schimpfst über jeden Fehler. Du drängelst an der Kasse. Du bist oft nervös. Du erträgst keine Kritik. Du regst dich zu schnell auf. Du nimmst dir ständig etwas vor. Du wartest auf das Wochenende. Du isst zu süß und viel zu fett. Du stellst anderen ein Bein. Du bist ungerecht. Du jammerst tagein und tagaus. Du hast dich hoch gearbeitet. Du lauerst auf Gelegenheiten. Du liest die falschen Bücher. Du entschuldigst dich nur ungern. Du schlägst öfter über die Stränge. Du machst dich lustig über andere. Du neidest und gibst es nicht zu. Du maßt Dir Dinge an. Du schimpfst auf die Politik. Du fängst nie bei dir selbst an. Du redest über das Wetter. Du fährst zu schnell. Du onanierst zu oft. Du trinkst den Kaffee zu stark. Du hörst selten auf deine innere Stimme. Du achtest selten auf deine Mitmenschen. Du schlägst mit den Türen. Du kaufst zu billig. Du möchtest gern der Erste sein. Du lügst wie gedruckt. Du änderst deine Meinung. Du bist behäbig. Du kennst keine Gnade. Du hast Angst vor Krebs. Du schreist zu viel. Du lachst an den falschen Stellen. Du gehst nur Geradeaus. Du drehst durch. Du willst nicht mehr reden. Du kennst kein Mitleid. Du gibst nichts ab. Du findest keine Worte. Du siehst an allem vorbei. Du fällst. Du Dummerchen. Du Mensch.
Sonntag, 1. Juni 2025
MY WAY.
Der Weg in den Wald verbirgt die Schwere meiner Schritte. Von den Wipfeln der Bäume krümmt sich der Druck dieser Zeit. Schief und krumm vor lauter Freiheit - die Hecken am Rand merken sich jeden Strahl der Sonne. Die Vögel mögen ihre Scheu nicht verbergen, sammeln und entfernen sich voneinander - der dümmliche Mensch sieht darin keinen Sinn. Natur hat eine komplizierte Sprache ... sie sprengt den Rahmen dessen was sich Vorstellungskraft nennen mag.
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... ließ eine rundliche ALKA SELTZER in den frisch gebrühten Italo-Espresso plumpsen und rührte mit dem kleinen verhorntem Finger in der rab...
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Wenn die Technik veraltet, wenn der Baum sich schüttelt und sein Blätterwerk abgibt, wenn der Bart ins Graue übergeht, wenn das alte Haus in...
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Natürlich hat der liebe gute Peter seine schneeweiße Davidoff-Gold bis zum äußersten Rand des Filteransatzes tief in sich hinein gesogen - u...









